Wie in jeder anderen Stadt auch, sind sich die Bürger Dresdens nicht immer einig, was für die Stadt und ihre Bewohner das Richtige ist. Hier ein paar Informationen zu den derzeit wichtigsten Streitfällen.

 
Waldschlösschenbrücke

Der Kabarettist Olaf Schubert macht sich über den Brückenstreit lustig

Die “Mutter” aller Streitfälle ist der um die Waldschlösschenbrücke. Deren Befürworter hatten sich nach über einem Jahrzehnt Für und Wider durchgesetzt. Seit 2007/8 wird an der Brücke gebaut, 2012 im Mai sollte die Brücke fertig gestellt sein, mittlerweile wird ein Termin im Frühjahr 2013 anvisiert.
Als Reaktion auf den Bau der Brücke entzog die UNESCO dem Dresdner Elbtal den Titel des “Welterbes”. Es gab auch nach Baubeginn immer Versuche, den Bau zu stoppen, die aber, wenig verwunderlich, scheiterten.
Die Brücke ist nun so gut wie fertig. Warten wir ab, wie sich das Bauwerk auf die Verkehrssituation in Dresden auswirkt, erst dann wird sich herausstellen, ob die Kritik verstummt – weil’s halt so schön bequem ist – oder wieder lauter wird, wenn die Brücke nicht die an sie geknüpften Hoffnungen erfüllt. Dass das Thema Brücken in einer Stadt am Fluss ständig für Auseinandersetzungen sorgt, ist sicher nicht verwunderlich, weshalb die Waldschlösschenbrücke nur ein Teil des Dresdner Brückenstreits ist.
Hier noch ein paar aktuelle Zahlen zur Entwicklung des Verkehrs auf den / über die Dresdner Brücken (SZ vom 21.01.2013), die zeigen, das der Verkehr abnimmt. Mit diesen Zahlen in der Prognose hätten es die Brückenbefürworter noch schwerer gehabt…

 

Ausbau der Königsbrücker Straße

Eher “Highway to hell” als “Road to heaven”: Die Königsbrücker Straße

Die Königsbrücker Straße ist die wichtigste Ausfallstraße nach Norden hin. Sie beginnt am zentralen Albertplatz in der Neustadt und verläuft in ihrem unteren Teil direkt durch das Szeneviertel. Klar, dass “die Königsbrücker” ein echter Zankapfel ist. Während die einen den Verkehr fließen lassen und dazu die Straße am Besten in Autobahnbreite ausbauen möchten, sehen die anderen durch die Straße ihren Stadtteil zerschnitten. Seit fast zwei Jahrzehnten gibt es ein ewiges Hin und Her und keine für beide Seiten akzeptable Lösung. Ein wesentlicher Aspekt dabei ist die Förderfähigkeit des Ausbaus, d.h., ob die Stadt die Möglichkeit hat, Geld vom Land zu bekommen. Böse Zungen behaupten, dass das Land eine ganz eigene Politik verfolgt. Immer mal wieder tauchen neue, oftmals eher skurrile Vorschläge auf, so wie die Untertunnelung der Kreuzung Königsbrücker Straße-Stauffenberg-Allee.
Ende Januar 2013 wurde die Entscheidung ünber den Ausbau mal wieder vertagt. Eine Kostenschätzung zur Maßnahme will die Stadt bis November vorlegen. Auch dieser Streitfall hat es in die Wikipedia geschafft.

Königsbrücker muss leben! Bürgerinitiative “Königsbrücker muss leben”

 
Aktuelles: DNN 30.09.2011

 
Hafencity Dresden und Leipziger Vorstadt

Mittlerweile ist es etwas stiller um das Projekt Hafencity geworden. Bereits seit 2009 existiert dafür und für die Entwicklung des elbnahen Teils der Leipziger Vorstadt ein Masterplan der Stadt. Wer sich anschauen will, wie dieser aussieht, der kann sich hier informieren (pdf). Das verlinkte Dokument ist aber mehr eine Absichtserklärung (und ein Stück weit Imagebroschüre) als konkrete Beschreibung der zukünftigen Entwicklung. Nichtsdestotrotz erhält der Leser einen Eindruck, wie die Stadt das Areal gern sehen würde. Der Satz: „Im Mittelpunkt aller Konzepte standen dabei die Schlachthofhallen als Kulturareal“ dürfte vor allem die Macher der Ostrale und die Kulturschaffenden der Stadt erfreuen. Insgesamt ist das Projekt eher „grün“ angelegt mit Parks und Freiflächen. Geplant ist zudem, eine gehobene Wohngegend aus der Hafencity zu machen. Dies könnte aber mit dem Hochwasserschutz kollidieren. Problematisch dürfte zudem werden, dass die Kosten für das Projekt mit 50 bis 100 Millionen veranschlagt sind. Ohne Investoren kann die Stadt diesen Brocken nicht heben.

Im oben erwähnten Dokument ist noch zu lesen: „Um den Alten Leipziger Bahnhof soll ein Kulturstandort entstehen, der auch die attraktive Anbindung und Erreichbarkeit des Neustädter Bahnhofs sicherstellt.“ Am 21. Juni 2012 entscheidet der Stadtrat darüber, ob er Handelskonzern Globus dort einen Markt mit 12.000 (jetzt 8.000) Quadratmetern Verkaufsfläche errichten kann. Dagegen regte sich u.a. aus dem mittelständigen Handel, der massive Einbußen befürchtet, Widerstand. Ein alternativer Vorschlag zum Umzug des Verkehrsmuseums in das Areal hat aus meiner Sicht nur wenig Chancen auf Realisierung.

Knapp 50 Hektar Stadtfläche gilt es in der Leipziger Vorstadt zu „entwickeln“. Die innenstadtnahe Lage hat ein großes Potential und ihre Gestaltung wird sich stark auf die Stadt Dresden als Ganzes auswirken. Nicht vergessen werden darf dabei, dass es bei dieser Entwicklung auch um eine Menge Geld geht, weshalb damit zu rechnen ist, dass nicht alles zum Wohle der Dresdner Bürgerschaft laufen wird. Hoffen wir, dass zumindest die schlimmsten Fehler vermieden werden. Der Masterplan geht zumindest in eine vernünftige Richtung.

 
Das Globus-Projekt und das DVB-Hochhaus am Abertplatz

Am alten Leipziger Bahnhof soll ein gigantischer Globus-Markt mit einer Verkaufsfläche von etwa 8.000 Quadratmetern entstehen. Die Einzelhändler der umliegenden Areale (Neustadt und Pieschen) fürchten deutliche finanzielle Einbußen. Die Kritiker sehen das Projekt auch deshalb als unnötig an, weil Dresden schon jetzt zu den Städten mit der meisten Verkaufsfläche pro Einwohner gehört.
Hinzu kommt, dass unweit des geplanten Marktes (Luftlinie vielleicht 500, 600 Meter) noch das alte DVB-Hochhaus steht, für dass es seit einiger Zeit Pläne von Edeka gibt, selbiges ebenfalls zu einem Einkaufszentrum umzubauen. Ursprünglich war hier von 7.000 Quadratmetern Verkaufsfläche die Rede, mittlerweile wurde die Zahl reduziert.
Von Seiten der Stadtführung wurde es abgelehnt, was aus meiner Sicht sinnvoll wäre, beide Projekte – Globus und DVB-Hochhaus – zusammen zu verhandeln. Mittlerweile gibt es einen „Aufstellungsbeschluss“ zum Globus-Markt und die Gegner haben jetzt nur noch die Chance „im anstehenden Genehmigungsverfahren nachzuweisen, dass das Vorhaben Globus nicht genehmigungsfähig ist.“ (Quelle) Auf der anderen Seite hält Edeka trotz mancher Rückschläge an seinen Plänen fest. Vielleicht muss man das Ganze jetzt als eine Art Rennen betrachten: Schafft es Edeka, seine Pläne schnell umzusetzen, sinken die Chancen für die Realisierung des Globus-Projektes.
Der Stand zum Hochhaus Ende Oktober 2012 war, dass der Stadtrat mehrheitlich für den Bau eines Einkaufszentrums stimmte. Mittlerweile (Anfang Februar 2013) haben die Räumungsarbeiten begonnen. Beim neustadt-ticker lässt sich das Geschehen am Hochhaus verfolgen.

 
Das “Wiener Loch”

Expedition ins Reich der Baugruben

Seit 1990 fand in Dresden wie andernorts im Osten Deutschlands auch, ein gewaltiger Stadtumbau statt. Gerade die Innenstädte waren schnell Spielplatz für allerhand illustre Bauunternehmer und Geldgeber, die zum Teil fragwürdige Projekte umsetzten, deren Folgen man heute z.B. auf der Prager Straße begutachten kann: gesichtslose Shoppingcenter allerorten. Im großen Poker um die Filetstücke muss die Stadt Dresden wohl einige Fehler gemacht haben, denn der direkt vor dem Hauptbahnhof gelegene Wiener Platz über den quasi der Zugang zur Innenstadt erfolgt, brachte keinen Hauptgewinn sondern nur Spott und Millionen-Kosten. Das “Wiener Loch” ist mittlerweile so berühmt-berüchtigt, dass die Baugrube es uu einem eigenen Eintrag in die Wikipedia geschafft hat. Gelegentlich gibt es mal einen mehr oder weniger ernst gemeinten Vorschlag, was denn aus dem Loch werden sollte. Zuletzt wollte ein Student für 120 Millionen Euro ein riesiges Aquarium draus machen. Nur Investoren hatte der gute Mann keine zur Hand. Da geht’s ihm ja wie der Stadt.
Nach der Änderung des Bebauungsplanes im Oktober 2012, wodurch der Bau von Wohnungen zulässig wurde, hat sich nun ein Investor gefunden. Ab Herbst 2013 soll gebaut werden.

 

Kulturpalast

Nun ist der Kulturpalast erst einmal geschlossen. Am 23. Juli fiel der letzte Vorhang. Seitdem ist es wieder ruhig um den Kulturpalast geworden, was weiter passiert, steht in den Sternen. Eine schon fest eingeplante Förderung der EU kommt nicht und die verbleibenen Mitarbeiter der städtischen Konzert- und Kongressgesellschaft wurden Ende September 2012 gekündigt…

Ein historisches Dokument: Interview mit Professor Kollhoff, Sachsenbau Chemnitz, um 2004

Der Dresdner Kulturpalast – eröffnet 1969 – ist ein echtes Stück DDR-Architekturgeschichte. Allein deshalb ist er Manchen schon ein Dorn im Auge. Das Wandbildnis “Der Weg der Roten Fahne” dürfte noch sein übriges dazu tun.
Ganz abgesehen von der verschiedenartigen Rezeption der äußeren Hülle gibt es auch keine Einigkeit darüber, wie der Bau im Inneren gestaltet werden soll. Die Vorschläge im seit 1994 schwelenden Streit reichen von der totalen “Entkernung” bis hin zur sanften Sanierung, vom exklusiven Spielort für die Philharmonie bis zum Multifunktionsbau für Veranstaltungen aller Art. Zwar gibt es einen Stadtratsbeschluss vom 24. März 2011 zum Umbau des Kulturpalastes nachdem Konzertsaal, Hauptbibliothek und das Kabarett “Die Herkuleskeule” in den Kulturpalast einziehen sollen (hier eine wunderhübsche Powerpoint-Präsentation) aber gegen diesen Beschluss regte sich recht schnell Widerstand, u.a. vom Architekten des Bauwerkes, Dr. Wolfgang Hänsch. Als ein Nebenkampfplatz des Streites hatte der einen Urheberrechtsklage gegen die Stadt angestrengt, um den Mehrzwecksaal zu erhalten und seine eigenen Umbaupläne umgesetzt zu sehen. Das Leipziger Landgericht entschied im April 2012, dass die Stadt den Umbau im Inneren auch ohne Zustimmung des Architekten durchführen kann. Das Dresdner Oberlandesgericht wies im November 2012 auch die Berufungsklage von Dr. Hänsch zurück.

 

Kulturkraftwerk Mitte

Kleiner “Rundflug” durch das Kraftwerk gefällig?

Eigentlich ist das Kulturkraftwerk kein Streitpunkt mehr, denn es gibt einen Stadtratsbeschluss, aus dem ehemaligen Kraftwerk einen Kultur-Standort zu machen. Kurz zusammengefasst dargestellt wird das Vorhaben in diesem Beitrag des Dresden-Fernsehens. Soweit so gut, doch jetzt geht es um die Finanzierung der Pläne und da ist noch viel Ungemach zu erwarten, denn Finanzbürgermeister Vorjohann sieht das Projekt aufgrund einer „unzureichende Finanzkraft“ Dresdens als undurchführbar an…

 

Krankenhausstreit

Ende Januar 2012 gab es in Dresden einen Bürgerentscheid zu den Krankenhäusern Neustadt und Friedrichstadt. Während die einen in die Zukunft beider Häuser nur durch die Zusammenführung in einer gGmbH sahen, wollten die anderen – auch aus Angst vor einer späteren Privatisierung – die Krankenhäuser als Eigenbetriebe der Stadt erhalten. Der Bürgerentscheid ging zugunsten der Befürworter der Eigenbetriebe aus. Zu erwarten ist allerdings, dass das Thema trotz dreijähriger Bindungsfrist an den Entscheid auch in nächster Zeit immer wieder eine Rolle spielen wird.

 

Freier Eintritt im Schlosspark Pillnitz

Das Schloss Pillnitz gehört sicher zu den attraktivsten Ausflugszielen der Landeshauptstadt. Seit dem Ausbau des ehemaligen Rittergutes zum barocken Lustschloss unter August dem Starken im 18. Jahrhundert war der Zugang zum Park des Schlosses für alle Bürger frei. Jetzt hat das Land in Form des Staatsbetriebes Staatliche Schlösser, Burgen und Gärten Sachsen beschlossen, einem Eintritt zu erheben. Eine Bürgerinitiative kämpft für den Erhalt der freien Zugänglichkeit, wie es jetzt aussieht, wird aber ab 2. April 2012 mit einer jahrhundertealten Tradition gebrochen…

To be continued…

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3 Comments

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  10. Siegmund, Christina

    eine prima Idee das aktuelle Dresden in Kürze nachlesen zu können!
    Optisch klasse aufbereitet und die Texte kurz und informativ. Ganz ohne Schnörkel.

  11. Gute Seite. Auch wenn es schon ein paar Entwicklungen gegeben hat, ist sie komischerweise immer noch fast komplett aktuell.
    Wie wäre es noch mit dem Pendant: Dresdner Konsensfälle?

  12. Neues zum Kulturkraftwerk Mitte:
    http://www.dnn-online.de/dresden/web/regional/wirtschaft/detail/-/specific/Kulturkraftwerk-Mitte-Nur-noch-eine-Baufirma-ist-im-Rennen-1939571801

    Es gibt nur noch einen Bieter für den Bau. So hat wohl wieder der Preis die entscheidende Rolle gespielt…

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