Dresdner|Rand

Dresden vom Rand her betrachtet.

Weg mit der Kultur!

Momentan geht es aus meiner Sicht ganz schön abwärts mit der hiesigen Kultur. Damit meine ich nicht die großen Sachen, da gibt es schon genug Leute, die sich drum kümmern. Nein, es geht viel mehr um die kleinen Angebote. Zum einen kippt gerade das Freie Radio in unserem tollen Freistaat, in dem jede Meinung abseits der offiziellen schnell zur Nestbeschmutzung stilisiert wird. Gerade hier in der „Landeshauptstadt“ war das hauptsächlich linke Projekt den Mächtigen schon seit Anfang ein Dorn im Auge, nun bietet sich endlich die Möglichkeit, es loszuwerden.
Zum anderen sind zwei Vereine hier in Dresden bedroht, die mir sehr am Herzen liegen – die Stadtmusikanten und der Kultur Aktiv. Beides Vereine, die mit wenig Geld allerhand auf die Beine stellen. Der Kultur Aktiv, der vor kurzem erst bundesweit mit seinem „Zug der Freiheit“ für Aufsehen sorgte, bekommt von unserer großartigen Kunst- und Kulturstadt gerade einmal 5.000 Euro im Jahr an Zuschüssen! Was die Truppe dafür auf die Beine stellt, ist unglaublich. Finanziert hat man sich über Projektgelder und über die so genannten 1-Euro-Jobber. Jeder „Träger“ bekommt eine Art Aufwandsentschädigung dafür, dass er den Menschen hilft, vielleicht nicht wieder in den ersten Arbeitsmarkt zurückzukommen aber immerhin wieder etwas Selbstachtung zurückzugewinnen und sich nicht mehr völlig nutzlos zu fühlen in unserer supereffektiven Leistungsgesellschaft. Da das Arbeitsamt kein Geld mehr hat, gab es auch keine 1-Euro-Jobber mehr und der Verein kann seine Büromiete nicht bezahlen – von Zuhause lässt sich die Menge der Arbeit längst nicht mehr erledigen.

So klein, wie es auf den ersten Blick scheinen mag, sind die Zielgruppen der drei Projekte nicht. Dass der von den Stadtmusikanten ausgerichtete „Musikalische Weihnachtskalender“ in diesem Jahr ausfällt, hat schon für einiges Aufsehen gesorgt. Wenn der Kultur Aktiv weg wäre entfielen zahlreiche Konzerte vor allem osteuropäischer Künstler hier in Dresden. Und Coloradio wird gebraucht als Mittel zur politischen Meinungsbildung – ja ich weiß, dass Manche rumheulen werden, wie einseitig das Radio sei – aber das muss eine Demokratie aushalten. Wenigstens ein winziges Korrektiv in der ansonsten eher gleichgeschalteten Medienlandschaft tut Not.

Wie auch immer – momentan bin ich reichlich angepisst. Die lächerlichen Summen, mit denen man solche Initiativen am Leben halten könnte, sind niemals da. Dafür baut man halt für 200.000 Euro mal eben so eine Ampel in die Neustadt oder man renoviert für noch mehr Geld den Ratskeller und lässt ihn dann leer stehen. Letzten Donnerstag dufte ich mir die phantastischen Räumlichkeiten anschauen, als der Kultur Aktiv seine Mitglieder versteigerte

Hier noch ein interessanter Artikel zur Kultur in Hamburg. Die Richtung ist ähnlich.

Posted 2 years, 2 months ago at 18:13.

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