Dresdner|Rand

Dresden vom Rand her betrachtet.

Mauern vorm Kopf

Heute habe ich mal fix gegoogelt, was es denn eigentlich für Foren zu / aus Dresden gibt – die exakten Ergebnisse vielleicht mal später – und bin dabei auf „Forum Barockstadt Dresden“ gestoßen. Bei diesem Namen hätte ich eigentlich die schlimmste Dresdnerische Selbstbeweihräucherung und Lobhudelei erwartet, so war’s dann aber nicht. Unter der Überschrift „Niemand hat die Absicht, eine Mauer zu bauen“ fand ich dann folgendes Video

Ganz schön peinlich, die Frau OB. Aber der eigentliche Star dieses kleinen Filmchens ist der Typ, der da ausrastet. Sehr schön, wie sich seien Geisteshaltung in dem einen Satz ausdrückt, den alle Spießer gebrauchen, wenn sie auf Leute treffen, die ihnen aufgrund ihres nonkonformen Äußeren suspekt sind: „Geh arbeiten!“. Da schwingt mit, dass „solche Kunden“ ganz sicher „Sozialschmarotzer“ sind, die den ganzen Tag auf der faulen Haut liegen und wo es geht und meist ohne jeden Grund Stunk machen. Wenn die arbeiten gehen würden („wie wir“), dann hätten die gar keine Zeit, auf solche Gedanken zu kommen. Mich würde mal interessieren, womit der nette Senior seinen Lebensunterhalt zu DDR-Zeiten bestritten hat…

Das eigentliche Thema soll natürlich auch nicht unbeachtet bleiben. Hochwasserschutz ist seit 2002 eine sehr wichtige Frage in Dresden. Die offiziell vertretene Strategie scheint zu sein, dass man wo möglich, den Fluss einmauert (wahrscheinlich eher zum Wohle der lokalen Bauwirtschaft als zum Schutz vor Fluten). Kein gutes Konzept, gegen dass es auch einigen Widerstand gibt.

- Mauerzoff (Bürgerinitiative Laubegast)
- Keine Mauer (Bürgerinitiative Pieschen)

Die Wikipeda widmet dem Hochwasserschutz in Dresden übrigens einen ganzen Artikel – ganz am Ende steht auch was zum zukünftigen Ausbau. Wie genau oder parteiisch dieser Artikel ist, kann ich auf die Schnelle nicht beurteilen. Wer sich auskennt, kann ja mal was dazu schreiben oder den Beitrag selbst entsprechend editieren…

Posted 1 year, 8 months ago at 18:46.

2 comments

Dresden fährt Rad

Immer mehr Dresdner sind mit dem Fahrrad unterwegs. Das hat eine bisher noch unveröffentlichte Studie der TU Dresden ermittelt. Passend dazu bekam die Landeshauptstadt gestern von Verkehrsminister Tiefensee Fördermittel in Millionenhöhe für den Aufbau eines Fahrradverleihsystems bewilligt – bis 2012 sollen 35 Leihstationen entstehen und 600 Mietfahrräder angeschafft werden. (Dazu gibt es allerdings auch Bedenken.)
Doch wie reagiert die Rathausspitze auf diese positive Nachrichten? OB Helma Orosz stellt den wichtigsten Verkehrsplaner der Stadt kalt. 18 Jahre lang leitete Gerhard Rietscher die renommierte Hauptabteilung Mobilität, die bereits im Februar abgewickelt wurde, jetzt wird Rietscher zum „Berater für besondere Fragen“ unter Baubürgermeister Jürgen Marx von der CDU „degradiert“, ohne eigene Mitarbeiter und Kompetenzen. Rietscher galt der regierenden CDU wohl als „autofeindlich“, weil er wiederholt dafür eingetreten ist, seiner Ansicht nach überdimensionierte Verkehrsprojekte auf ein verträgliches Maß zu stutzen. In der heutigen SZ beschreibt Gerhard Rietscher seine Position so: „Lobbyisten für Autofahrer gab und gibt es in Dresden genug. Deshalb habe ich stets versucht, für die anderen Verkehrsteilnehmer mit meiner Stimme ein Gleichgewicht in Debatten zu bringen. Ich bin aber kein Gegner der Autofahrer.“ Die OB sieht das wohl anders. Mit Rietscher hat sie einen unliebsamen Kritiker an der autofreundlichen Verkehrspolitik ihrer Partei entmachtet. Der findet nämlich: „Öffentlicher Raum ist nicht Transportband und Abstellfläche für Autos, es ist Lebensraum.“ Und Frau Orosz, wie sehen Sie das?

Posted 2 years, 5 months ago at 16:47.

4 comments