Dresdner|Rand

Dresden vom Rand her betrachtet.

Hohle Symbole: Eine Nachbetrachtung zum 13. Februar in Dresden

Gestern Abend durfte ich aus den Nachrichten des MDR erfahren, dass ich ein Linksextremer bin. Weil ich nicht bei der Mutter Courage von Dresden und ihrer Aktion „Händchen halten gegen Nazis“ mitgemacht habe, sondern unerlaubt auf dem Albertplatz stand, inmitten einer Menge anderer Linksextremer. Die haben nämlich, glaubte man der journalistischen Elite unseres Heimatsenders wieder nur Randale gemacht, während die braven Bürger am anderen Elbufer, weit weg von den bösen Nazis gezeigt haben, wie man’s richtig macht. Man versammelt sich, hört sich eine hübsche Rede an und dann schwärmt man aus, um eine nette Menschenkette zu bilden. Ein paar freundliche Aufnahmen für die Fernsehschaffenden und die Bildjournalisten; alles im Kasten, jetzt dürft ihr nach Hause gehen.
Währenddessen standen die Linksradikalen rechtswidrig mitten auf guten deutschen Straßen und ließen den nationalen Verkehr nicht fließen! Und das in Zeiten der Wirtschaftskrise! Diese Volksschädlinge! Doch die Staatsmedien haben es allen gezeigt: Die Menschenkette hat ein Zeichen gesetzt, das so eindrucksvoll war, dass sich die Neonazis nicht einmal vom Neustädter Bahnhofsvorplatz weggetraut haben! Was sag ich; Helma hat sie fast im Alleingang gestoppt!

Gut, lassen wir die Scherze beiseite. Trotz der für Dresden recht positiven Entwicklung, dass mal alle „gesellschaftlichen Kräfte“ an einem Strang gezogen haben, hat der gestrige Tag wieder einmal sehr schön gezeigt, welch Geist im Königreiche Sachsen regiert. Wer nicht auf der (Elb)-Seite der Herrschenden steht, ist kein guter Bürger. Dieses Bild zu transportieren, war oberstes Anliegen der staatstragenden Medien (ich bin ja gespannt, was morgen DNN und SZ schreiben). Mit fast schon verleumderischer Art wurde alle, die sich dazu entschieden, den Neonazis wirklich Gesicht zu zeigen und nicht nur wie Widerstandskämpfer Emmerlich, Ich-bin-immer-dabei-Güttler und Co. selbstzufrieden in irgendeine Kamera zu salbadern, zu Extremisten und Gewalttätern gestempelt, zu unbelehrbaren Krawalltouristen. Eigentlich sollten alle so Diffamierten eine Sammelbeschwerde wegen Verleumdung anstrengen, sich zumindest aber beim Deutschen Journalistenverband beschweren, um so eine Rüge bzw. eine Richtigstellung zu erwirken.

Dresden kann stolz sein. Aber nicht so sehr wegen der Menschenkette – denn hier wurden die Bürger aus meiner Sicht vorrangig zur Produktion medienwirksamer Stadt-PR missbraucht – sondern wegen all denen, die wagten, zivilen Ungehorsam zu leisten und der Demokratie einen größeren Dienst erwiesen haben, als all die berühmt-berüchtigten Zeichensetzer. Ich will damit nicht diejenigen diffamieren, die sich an der Aktion beteiligt haben und vielleicht zum ersten Mal in ihrem Leben auf die Straße gegangen sind. Lasst Euch nicht entmutigen, das war ein guter Anfang! Beim nächsten Mal traut Ihr Euch dann mehr zu.

Wirklich wütend macht mich der Umgang mit denen, die von vornherein entschlossen waren, sich nicht in die Menschenkette einzureihen. Die sich nicht vom Dreiklang Kriminalisieren-Abschrecken*-Marginalisieren davon abhalten ließen und in Zukunft lassen werden, das zu tun, was sie für richtig halten. Mit friedlichen Mitteln und stellvertretend für die, die die braune Gefahr nicht sehen wollen.

Eine Frage möchte ich zum Abschluss noch stellen: Was wäre eigentlich ohne die Blockade passiert? Dann wären tausende Neonazis durch die Neustadt marschiert. Johlend vermutlich, denn die „Zecken“ hätten sich verstecken und eingestehen müssen, dass die Neustadt nicht ihr Stadtteil ist, ein Stadtteil in dem auch „gesellschaftliche Randexistenzen“ und „Nicht-Arier“ geduldet oder gar willkommen sind. War das die Absicht bzw. positiver Nebeneffekt der Umverlegung der Route? Wenn ja, dürfen sich diejenigen, die sich das ausgedacht haben kaum wundern, dass die Neustädter und diejenigen, für die das „alternativen Szeneviertel“ mehr ist als eine konsumfreudige Partymeile, gegen dieses infame Vorhaben zur Wehr setzten. Überwiegend mit friedlichen Mitteln. Wobei das Umschmeißen und Anbrennen von Mülltonnen – das sei an dieser Stelle auch mal erwähnt – zwar eine ziemliche Dummheit aber keine Gewalt ist, sondern Sachbeschädigung. Für mich gibt es immer noch einen Unterschied zwischen einer eingeschlagenen Scheibe und einem eingeschlagenen Schädel.

* Während der Demo bekam ich eine Blöd-Zeitung in die Hand, in der die tolle Waffe zum Verschießen von Pfefferspraykugeln ausführlich dargestellt und erläutert wurde, mit dem Hinweis, dass die Polizisten sie im Einsatz tragen. Was soll damit bezweckt werden? Für mich ist das eine klare Ansage: Bleibt zu Hause oder Ihr kriegt das Zeug in die Fresse.

Achtung, Linksradikale Bilder! Wer das nicht aushält, der scrolle nicht weiter nach unten.
(Ich habe mich nach einiger Überlegung nun doch entschlossen, die Gesichter auf den Bildern unkenntlich zu machen, auch wenn das jetzt alles wie eine Zombieparade aussieht. Ich möchte nicht, dass der eine oder andere vielleicht Ärger bekommt – und selbt möchte ich natürlich auch keinen Stress. Persönlich finde ich das Ganze total bekloppt, schließlich ging es ja gerade darum, Gesicht zu zeigen.)

13. Februar in Dresden

13. Februar in Dresden

13. Februar in Dresden

13. Februar in Dresden

13. Februar in Dresden

13. Februar in Dresden

13. Februar in Dresden

13. Februar in Dresden

13. Februar in Dresden

13. Februar in Dresden

13. Februar in Dresden

13. Februar in Dresden

13. Februar in Dresden

13. Februar in Dresden

13. Februar in Dresden

13. Februar in Dresden

13. Februar in Dresden

13. Februar in Dresden

13. Februar in Dresden

13. Februar in Dresden

ZUR FREIEN VERWENDUNG:
stopper

Und hier noch ein Bild von der Menschenkette (Achtung Satire!):

Menschenkette

Hier noch Links zu anderen Einschätzungen des Tages:

Tagesschau

Heise

taz-Ticker von Tage / taz Artikel

Indymedia

classless Kulla

Woschod, das rote Blog

Twitter am 13. Februar

Posted 1 year, 12 months ago at 17:30.

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