Unterwegs auf dem Elberadweg
Am Wochenende wollte ich einen Freund in Kaditz besuchen. Das Wetter war schön, also setzte ich mich aufs Rad. Von Pappritz ist es erst einmal reichlich beschwerlich, zur Elbe zu kommen. Die Berge sind steil, die Wege eng und nicht grad in bestem Zustand. Die Abfahrt ist weder auf der Staffelsteinstraße noch auf dem Oberwachewitzer Weg / Wachwitzer Bergstraße ein Genuss. Gute Bremsen sind hier unbedingt Pflicht.
Linkselbisch gibt es keinen richtigen Radweg, direkt an der Elbe ist nur ein Trampelpfad. Was bleibt also übrig, als die Straße zu benutzen? Wirklich Spaß macht das nicht, denn die Strecke nach Pillnitz und zurück ist an den Wochenenden stark befahren. So quält man sich bis zum Körnerplatz im Verein mit dem motorisierten Individualverkehr und den dicken Bussen. Natürlich besteht auch die Möglichkeit auf den Fußweg auszuweichen, doch da der nur in einer Richtung (in dem Fall der falschen) ausgebaut ist, ist auch hier manch Ungemach vorprogrammiert. Zudem war die Präsenz der Polizei aus mir unerklärlichen Gründen an diesem Wochenende extrem hoch – wenn die Ordnungshüter schlecht drauf sind, kann die Benutzung des Bürgersteigs teuer werden. Also doch Straße fahren. Die beste Variante wäre wohl gewesen, in Niederpoyritz gleich die Fähre zu benutzen und auf die andere Seite zu wechseln. Zwar lag mein Ziel ebenfalls linkselbisch aber der ausgebaute Elberadweg ist noch immer die beste Strecke für Pedalritter.
Am Körnerplatz hätte ich dann in den Körnerweg einbiegen und linkselbisch weiter fahren können, das tat ich dann aber nicht – aus gleich drei Gründen. Zum einen musste ich noch was am Schillerplatz erledigen, zum anderen wollte ich mir die rechtselbische Baustelle der Waldschlösschenbrücke anschauen und zu guter letzt galt es, meinen Hintern und das Fahrrad zu schonen. Die Strecke nach dem Körnerplatz ist eine der schlechtesten überhaupt, das Kopfsteinpflaster eine echte Belastung für Mensch und Technik. Wenn es in die Neustadt und weiter gehen soll, lohnt sich der Umweg übers Blaue Wunder auf jeden Fall.
An dieser Stelle vielleicht ein paar Worte zum Elberadweg an sich. Auf selbigen kann man von der tschechischen Grenze bei Schöna bis nach Cuxhaven an der Nordsee durchfahren. Im Freundeskreis haben wir schon den Abschnitt von Bad Schandau bis Diesbar-Seußlitz erkundet und ich muss sagen, dass selbst Ungeübte hier entspannt Radeln und dabei die wunderbare Landschaft genießen können.
Der Abschnitt in der Landeshauptstadt weist jedoch einige Besonderheiten auf. In erster Linie ist der Elberadweg hier ein viel genutzter Verkehrsweg. D.h., dass viele Radler in der Stadt mit ordentlichem Tempo unterwegs sind. Genutzt wird die asphaltierte Strecke aber auch von Touristen, Wanderern, Joggern, Hundebesitzern, Müttern mit Kinderwagen… Das führt natürlich zwangsläufig zu Konflikten. Nicht selten wird die die Elbschlösser bestaunende Touristengruppe (in Dresden leicht abfällig als Touris bezeichnet) vom wütenden Klingeln der Drahtesel-Fraktion aufgeschreckt oder eine scharfe Bremsung reißt den milde vor sich hinträumenden Opa aus seiner Versenkung. Mein Tipp also: Wer die Landschaft genießen will und Zeit hat, der benutze besser die Trampelpfade neben dem Radweg. Dort ist er vor dem Angriff der Zweiräder recht sicher. Doch auch wer selbst mit dem Rad unterwegs ist, sollte bedenken, dass es Zeitgenossen gibt, die wesentlich schneller fahren und keine Lust haben, hinter den ganzen Radweg in Beschlag nehmenden Gruppen herzutrödeln. Da ich selbst zur Gruppe der bekennenden Radrowdys gehöre (oder anders ausgedrückt, gern schnell unterwegs bin), gehen mir insbesondere diese Leute auf die Nerven, die denken, der Weg gehöre ausschließlich ihnen. Um diese Menschen eines Besseren zu belehren, habe ich mir eine schöne laute Hupe angeschafft
Noch ein kleiner Tipp zum Überholen: Platz ist für maximal drei Fahrradspuren. Wem also nebeneinander fahrende Radler entgegenkommen, der sollte mit dem Überholmanöver lieber warten. Zu berücksichtigen ist auch, dass nicht alle, die auf einem Drahtesel sitzen, diesen 100-prozentig korrekt bedienen können. Das bewies gestern sehr anschaulich eine mir entgegenkommende Dame, der ich beim Überholen begegnete – nach obiger Regel wäre das eigentlich kein Problem gewesen. War es dann aber doch. Die junge Frau brach mir, obwohl ich so weit es ging, rechts fuhr, mit ihrem Lenker fast die Hand. Zum Glück blieb es beim Schreck und keiner stürzte.
Zurück aber zur Fahrt nach Kaditz. An der Baustelle der Waldschlösschenbrücken war nicht allzu viel zu sehen – wo waren die großen Stahlteile, deren Anlieferung Schlagzeilen in der hiesigen Presse verursachten? Aufgefallen ist mir nur der kleine Asphaltringel, der kurzzeitig vom Elberadweg weg führt. Ansonsten Betonteile, Kräne, eine Rampe – das war’s. Naja, vielleicht fällt mir beim nächsten Mal mehr auf. An der Albertbrücke wechselte ich wieder auf die andere Elbseite und fuhr am Königsufer entlang. Hier befindet sich in den Sommermonaten das Gelände der Filmnächte am Elbufer – ein echtes Ärgernis für Radfahrer. Tagsüber sind die Tore meist geöffnet, abends bleibt jedoch nichts weiter übrig, als den Weg über die Wiese zu wählen. Kein Problem, wenn’s trocken ist, bei Nässe ist das eine ganz schöne Schweinerei. Anzeichen dafür, dass an einer akzeptablen Lösung gearbeitet wird, gibt es keine. Die nächsten Hürden folgen im Pieschener Hafen. Hier haben sich mehrere Partylocations mit Beach-Areal angesiedelt, so dass der Elberadweg häufig von Schaulustigen blockiert wird. Da hilft nur Augen zu und durch.
Am Wasser- und Schifffahrtsamt heißt es dann rechts abbiegen – wer sich links hält, kann zu Fuss noch die momentan etwas in Schieflage geratene Mnemosyne besichtigen, dann ist aber Schluss. Also rechts weiter und auf die Leipziger Straße. Dort kommen andere Radler entgegen und es wird zeitweise recht eng. Nach einem zur Elbe hin offenen Abschnitt beginnt linkerhand wieder die Bebauung – hier lässt sich der Weg zur Kötzschenbrodaer Straße hin abkürzen – doch ist Vorsicht geboten. Aus den Kneipen und Biergärten (z.B. beim Watzke) treten immer wieder völlig unmotiviert
Gäste heraus auf den Weg. Langsam fahren ist also Pflicht.
Die Kötzschenbrodaer Straße führt dann direkt nach Kaditz – vorausgesetzt hier ist nicht grad Pieschener Hafenfest geht das auch völlig problemlos. Da mein Ziel in Richtung des Riegelplatzes lag, musste ich durch das seltsame Areal zwischen Elbepark und Flutrinne hindurch. So richtig kapiert, was das dort soll, habe ich bisher noch nicht. Zahlreiche Wege gibt es schon aber es fehlt die Bebauung. Wahrscheinlich sind die Pläne dafür nach dem Hochwasser 2002 aufgegeben wurden. Hoffen wir, dass ich Recht habe und wenn, dass das so bleibt.
Rückwärts fuhr ich dann wieder die gleiche Strecke, wobei ich die Gelegenheit wahrnahm noch ein paar schöne Bilder zu schießen (von denen Ihr unten eins seht). Den Weg bergauf benutzte ich dann allerding den Bus – ich hatte mein Soll für diesen Tag abgeleistet.

Irgendwie bin ich hier in Schieflage geraten…