Müll, wohin man schaut und hört

Die BRN liegt hinter uns und aus persönlicher Sicht muss ich sagen, dass mir das “alternativer Stadtteilfest” immer weniger gefällt. Dazu muss ich erwähnen, dass ich ein Musikfanatiker bin und hauptsächlich daran festmache, wie ich ein solches Fest bewerte.
Ich bin Freitagabend hingegangen und gleich einer Bekannten in die Arme gelaufen. Wir saßen dann vor ihrem Laden und dort beschallte uns so ein Hängengebliebener anderthalb Stunden lautstark mit “The worst of 90ies Euro Dance”. Irgendwann musst eich dann aufbrechen, um dem Kollegen nicht doch noch mein Bier über die Technik zu gießen, doch es folgten zahlreiche weitere Vergewaltigungen des guten Geschmacks. In aller Kürze ließe sich formulieren: Gefühlt alle fünf Meter steht auf den Straßen ein anderer Hobby-DJ, ausgerüstet mit einer fetten PA und zahllosen uffz-uffz-uffz-Platten, CDs oder MP3s, die gnadenlos und lautstark abgeleiert werden. Ich weiß schon, warum ich mit Techno nie warm geworden bin, denn die fast schon mühelose Möglichkeit einen “Track” (dt.: Dreck) zu produzieren, sorgt dafür, dass Hinz und Kunz glauben, dies tun zu müssen und dabei auch noch überzeugt sind, das wäre dann tatsächlich Musik! Und die Hinzens und Kunzens im Publikum finden das auch noch toll. Eine Loveparade für Arme! Wenn man vernünftige Musik hören wollte, musste man in die Hinterhöfe, bei der 100, beim Tröddelmarkt auf der Luisenstraße, an Katys Garage oder zu den Resten des Lustgarten hinterm Stilbruch. Oder in den Alaunpark zu den Punks. Die Straße gehörte leider dem Party Pöbel, oder wie es ein Freund ausdrückte: “Das ist wie auf dem Stadtfest, die bunten Leute fehlen völlig.” Von den ganzen Fressständen und Bierwagen will ich mal gar nicht reden.
Trotz Deppen-Techno allerorten war mein musikalischer Tiefpunkt erst erreicht, als ich Samstag Nacht gegen 1 Uhr über die Kreuzung Görlitzer/Rothenburger-Luisenstraße schlappte. Eingeklemmt in die schier endlose Biomasse musste ich erleben, wie Brian Adams’ “Summer Of 69″ über die Straße schepperte und die Anwesenden lautstark mitfeierten und -sangen. Es wird wohl nicht mehr lange dauern, bis es eine Radio-Pissoir-Bühne auf der BRN gibt. Ganz großes Kino!

Achso, am Sonntag hatte ich keine Energie mehr für die BRN. Da haben dann die guten Bands gespielt. Vielleicht lasse ich nächstes Mal einfach Freitag und Samstag weg…

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Gedanken zur Bunten Republik

Die letzten Tage ist es hier ruhig geworden, da ich Dank eines medizinischen Eingriffes ein wenig auf Eis gelegt war. Trotzdem habe ich es mir natürlich nicht nehmen lassen, bei der BRN vorbeizuschauen, genauer gesagt am Samstagabend. Ich will mich nicht in den Einzelheiten verlieren, der Tiefpunkt meines Besuches war aber auf jeden Fall der Gang über die Rothenburger Straße. Was da geboten wurde, war unter aller Kanone: Eine Riesendiskoanlage direkt neben der anderen und jeder versucht den Nachbarn zu überbieten. Das grenzte schon fast an Körperverletzung. Und auch von dem, was da geboten wurde, war von Buntheit nichts zu bemerken. Stumpfe Beats vs. Noch stumpfere Beats. Es gab auch ein, zwei Bühnen, auf denen Live-Musik lief aber die bedauernswerten Musiker hatten gegen die geballte Technokraft nichts entgegen zu setzen. Kommerzialisierung hin oder her – ich denke, es gilt eher über Entsolidarisierung zu reden. Offensichtlich ist der Stadtteil so „bunt“ geworden, dass sich die verschiedenen Fraktionen nicht mehr zwischenmenschlich verständigen können.
Bei der Podiumsdiskussion Sinn und Unsinn unserer Bunten Republik muss wohl der Satz gefallen sein: Die BRN ist das Fest der Neustädter für die Neustädter, ohne Neustädter. Das würde ich so nicht unterschreiben. Es sind sicher noch viele Neustädter am Fest beteiligt, doch das Bild wird von deren oftmals leisen Aktionen nicht geprägt.
Von nachbarschaftlichem Verhalten ist bei dem „Stadtteilfest“ über weite Strecken nichts zu spüren. Das scheint mir das Hauptproblem der BRN zu sein – Jeder denkt nur an sich. Zudem ist das Stadtteilfest wahrscheinlich ökonomisch ein bisschen wie Weihnachten, da wird Umsatz gemacht, so viel wie geht – was kümmert mich der Rest! Ehrlich gesagt finde ich gerade die dezentrale Organisation gut aber so wie’s jetzt ist, ohne Absprachen und im Wahn der ständigen Aufrüstung geht es nicht mehr lange weiter. Warum können sich zwei benachbarte Kneipen nicht darauf einigen, eine Anlage hinzustellen und dann im Wechsel Musik zu machen? Das wäre mal ein Ansatz. Doch nichts geschieht. Stattdessen Hedonismus pur. Damit bekommt man auch das Publikum, das man verdient. Von mehreren „Bar-Arbeitern“ habe ich die Einschätzung gehört, dass die Gäste immer schlimmer werden. Zugedröhnt bis an die Hutkrempe, rücksichtslos und völlig bescheuert.
Ganz am Rande mal eine provokatorische Frage: Womit beschäftigt sich eigentlich das Ordnungsamt? Als ich Sonntagmorgen ein paar Minuten an einem Tisch vor einer Kneipe saß, kamen gleich ein paar Un-informierte, um die zwei Glasflaschen auf dem Tisch zu bemäkeln. Die Augen der Herrschaften scheinen ja ganz gut zu funktionieren, mit den Ohren ist es offensichtlich nicht so weit her. In jeder Disko muss der Schallpegel auf 90dB beschränkt werden, bei der BRN kann jeder seine Anlage ausreizen, bis es schmerzt, oder? Warum lassen wir nicht gleich einen Düsenjet auf der Rothenburger starten?
Zum Glück gibt es auch noch schöne Plätze bei der BRN. Der Lustgarten ist immer ganz in Ordnung, die Talstraße für Kinder, die Böhmische… Wir haben uns jedenfalls irgendwann ins Oosteinde zurückgezogen. Dort konnte man es wenigstens aushalten und an der Priesnitz hörte man von dem Lärm überhaupt nichts. Man konnte sich sogar unterhalten, ohne sich anzubrüllen! BRN kann eigentlich auch ganz nett sein.

Hier ein paar Bilder von den schönen Seiten der BRN:

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