Dresdner|Rand

Dresden vom Rand her betrachtet.

19. Februar – offizieller Standpunkt der Landeshauptstadt Dresden

Newsletter – 19. Februar 2011, Empfang 0:12

Stadt Dresden hält an stationären Kundgebungen für rechte Anmelder mit neuen Bescheiden fest
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Die Versammlungsbehörde der Landeshauptstadt Dresden hat unter Berücksichtigung der Entscheidungen des Verwaltungsgerichts Dresden heute, 18. Februar, neue Bescheide für die Versammlungsanmeldungen für den 19. Februar erlassen. Damit geht die Landeshauptstadt nicht in die nächste Instanz. Aufgrund des Zeitdrucks hätte der Gang zum Oberverwaltungsgericht die Einsatzvorbereitungen der Polizei weiter erschwert.
Den drei Antragstellern aus dem rechten Spektrum wurden drei separate stationäre Kundgebungen, südlich des Hauptbahnhofs, beauflagt. Aufgrund der Gefährdungsprognose der Polizeidirektion Dresden hält die Stadt Dresden daran fest, dass ein Marsch nicht zu verantworten ist. Zwei der rechten Anmelder haben bereits gerichtliche Schritte eingeleitet.
Unter konsequenter Beachtung der Vorgaben des Verwaltungsgerichts zur Umsetzung des Trennungsgebotes wurden alle Gegendemonstrationen per Auflagenbescheid auf die Neustädter Elbseite gelegt. Die Technische Universität Dresden hat ihre Versammlung abgemeldet. Andere Anmelder haben Widerspruch eingelegt. Es bleibt abzuwarten, ob sie gerichtliche Schritte gehen.
Für die Mahnwachen an den Kirchen ergeben sich keine Änderungen.

Diesen Artikel finden Sie im Web-Auftritt unter
http://www.dresden.de/de/02/035/01/2011/02/pm_063.php

PS: Wer selbst nicht dabei sein kann, der kann das Geschehen per Liveticker der taz verfolgen.

Posted 1 year, 2 months ago at 02:04.

1 comment

Historikerkommission schließt Bericht ab

Das Thema ist seit dem Kriegsende ein Aufreger in Dresden: Wie viele Menschen starben denn nun tatsächlich bei den Bombenangriffen am 13. und 14. Februar 1945? Jetzt legte eine Historikerkommission die Ergebnisse ihrer Forschungen vor und wir können hoffen, dass das Thema damit ein für alle Mal geklärt ist, nutzten doch gerade die Rechtsradikalen übertriebene Zahlen für ihre „völkische“ Propaganda. Aus meiner Sicht ist es übrigens völlig egal, ob nun 200.000 Menschen starben oder „nur“ 25.000 starben. Der Angriff war Teil eines mörderischen Krieges und die Bombardierung der Stadt ist so gut oder so schlecht zu rechtfertigen wie jeder andere Kriegshandlung. Die Vorstellung jedenfalls, dass der Bombenkrieg den „Widerstandswillen des deutschen Volkes“ bricht, hat sich als Fehlspekulation erwiesen. Im Gegenteil wurde das Schicksal der Deutschen wahrscheinlich stärker mit dem seines „Führers“ verschweißt und die Menschen mögen sich gedacht haben: „Gnade uns Gott, wenn wir diesen Krieg verlieren“…

Wie auch immer, jetzt stehen die Zahlen fest, wenn auch niemand mit absoluter Sicherheit davon sprechen kann, dass sie genau sind. Die Größenordnung stimmt auf jeden Fall. Den Rechten wird damit die Möglichkeit genommen, das Ereignis über Gebühr aufzublasen – es kursierten Zahlen, die von 500.000 oder gar 1 Million Toten ausgingen. Für Dresden mag sich der Bombenangriff im Februar – so makaber es klingt – nachträglich noch als Glücksfall herausgestellt haben. Hätte der Krieg länger gedauert, wäre vielleicht die Atombombe hier „getestet“ wurden. Aber das ist wiederum nur Spekulation. Physikalisch regelrechter Quatsch ist die Diskussion darum, ob im Feuersturm Menschen tatsächlich spurlos verschwunden sind. Das ist natürlich nicht möglich, schließlich bleibt bei einer Verbrennung im Krematorium auch immer etwas übrig. Ob man diese Überreste in dem Chaos nach einem Bombenangriff dann auch findet und einem Toten zuordnen kann, ist dann jedoch eine andere Frage. Insofern ist es schon möglich, dass Opfer unauffindbar sind.

Die Zahlen stehen nun fest und die umfangreichen Recherchen haben ergeben, dass bei den Angriffen etwa 25.000 Menschen gestorben sind. Operieren wir in Zukunft also mit dieser Zahl. Alle Ergebnisse der Forschungen finden sich auf der Website der Stadt.

Posted 2 years, 2 months ago at 13:00.

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Hohle Symbole: Eine Nachbetrachtung zum 13. Februar in Dresden

Gestern Abend durfte ich aus den Nachrichten des MDR erfahren, dass ich ein Linksextremer bin. Weil ich nicht bei der Mutter Courage von Dresden und ihrer Aktion „Händchen halten gegen Nazis“ mitgemacht habe, sondern unerlaubt auf dem Albertplatz stand, inmitten einer Menge anderer Linksextremer. Die haben nämlich, glaubte man der journalistischen Elite unseres Heimatsenders wieder nur Randale gemacht, während die braven Bürger am anderen Elbufer, weit weg von den bösen Nazis gezeigt haben, wie man’s richtig macht. Man versammelt sich, hört sich eine hübsche Rede an und dann schwärmt man aus, um eine nette Menschenkette zu bilden. Ein paar freundliche Aufnahmen für die Fernsehschaffenden und die Bildjournalisten; alles im Kasten, jetzt dürft ihr nach Hause gehen.
Währenddessen standen die Linksradikalen rechtswidrig mitten auf guten deutschen Straßen und ließen den nationalen Verkehr nicht fließen! Und das in Zeiten der Wirtschaftskrise! Diese Volksschädlinge! Doch die Staatsmedien haben es allen gezeigt: Die Menschenkette hat ein Zeichen gesetzt, das so eindrucksvoll war, dass sich die Neonazis nicht einmal vom Neustädter Bahnhofsvorplatz weggetraut haben! Was sag ich; Helma hat sie fast im Alleingang gestoppt!

Gut, lassen wir die Scherze beiseite. Trotz der für Dresden recht positiven Entwicklung, dass mal alle „gesellschaftlichen Kräfte“ an einem Strang gezogen haben, hat der gestrige Tag wieder einmal sehr schön gezeigt, welch Geist im Königreiche Sachsen regiert. Wer nicht auf der (Elb)-Seite der Herrschenden steht, ist kein guter Bürger. Dieses Bild zu transportieren, war oberstes Anliegen der staatstragenden Medien (ich bin ja gespannt, was morgen DNN und SZ schreiben). Mit fast schon verleumderischer Art wurde alle, die sich dazu entschieden, den Neonazis wirklich Gesicht zu zeigen und nicht nur wie Widerstandskämpfer Emmerlich, Ich-bin-immer-dabei-Güttler und Co. selbstzufrieden in irgendeine Kamera zu salbadern, zu Extremisten und Gewalttätern gestempelt, zu unbelehrbaren Krawalltouristen. Eigentlich sollten alle so Diffamierten eine Sammelbeschwerde wegen Verleumdung anstrengen, sich zumindest aber beim Deutschen Journalistenverband beschweren, um so eine Rüge bzw. eine Richtigstellung zu erwirken.

Dresden kann stolz sein. Aber nicht so sehr wegen der Menschenkette – denn hier wurden die Bürger aus meiner Sicht vorrangig zur Produktion medienwirksamer Stadt-PR missbraucht – sondern wegen all denen, die wagten, zivilen Ungehorsam zu leisten und der Demokratie einen größeren Dienst erwiesen haben, als all die berühmt-berüchtigten Zeichensetzer. Ich will damit nicht diejenigen diffamieren, die sich an der Aktion beteiligt haben und vielleicht zum ersten Mal in ihrem Leben auf die Straße gegangen sind. Lasst Euch nicht entmutigen, das war ein guter Anfang! Beim nächsten Mal traut Ihr Euch dann mehr zu.

Wirklich wütend macht mich der Umgang mit denen, die von vornherein entschlossen waren, sich nicht in die Menschenkette einzureihen. Die sich nicht vom Dreiklang Kriminalisieren-Abschrecken*-Marginalisieren davon abhalten ließen und in Zukunft lassen werden, das zu tun, was sie für richtig halten. Mit friedlichen Mitteln und stellvertretend für die, die die braune Gefahr nicht sehen wollen.

Eine Frage möchte ich zum Abschluss noch stellen: Was wäre eigentlich ohne die Blockade passiert? Dann wären tausende Neonazis durch die Neustadt marschiert. Johlend vermutlich, denn die „Zecken“ hätten sich verstecken und eingestehen müssen, dass die Neustadt nicht ihr Stadtteil ist, ein Stadtteil in dem auch „gesellschaftliche Randexistenzen“ und „Nicht-Arier“ geduldet oder gar willkommen sind. War das die Absicht bzw. positiver Nebeneffekt der Umverlegung der Route? Wenn ja, dürfen sich diejenigen, die sich das ausgedacht haben kaum wundern, dass die Neustädter und diejenigen, für die das „alternativen Szeneviertel“ mehr ist als eine konsumfreudige Partymeile, gegen dieses infame Vorhaben zur Wehr setzten. Überwiegend mit friedlichen Mitteln. Wobei das Umschmeißen und Anbrennen von Mülltonnen – das sei an dieser Stelle auch mal erwähnt – zwar eine ziemliche Dummheit aber keine Gewalt ist, sondern Sachbeschädigung. Für mich gibt es immer noch einen Unterschied zwischen einer eingeschlagenen Scheibe und einem eingeschlagenen Schädel.

* Während der Demo bekam ich eine Blöd-Zeitung in die Hand, in der die tolle Waffe zum Verschießen von Pfefferspraykugeln ausführlich dargestellt und erläutert wurde, mit dem Hinweis, dass die Polizisten sie im Einsatz tragen. Was soll damit bezweckt werden? Für mich ist das eine klare Ansage: Bleibt zu Hause oder Ihr kriegt das Zeug in die Fresse.

Achtung, Linksradikale Bilder! Wer das nicht aushält, der scrolle nicht weiter nach unten.
(Ich habe mich nach einiger Überlegung nun doch entschlossen, die Gesichter auf den Bildern unkenntlich zu machen, auch wenn das jetzt alles wie eine Zombieparade aussieht. Ich möchte nicht, dass der eine oder andere vielleicht Ärger bekommt – und selbt möchte ich natürlich auch keinen Stress. Persönlich finde ich das Ganze total bekloppt, schließlich ging es ja gerade darum, Gesicht zu zeigen.)

13. Februar in Dresden

13. Februar in Dresden

13. Februar in Dresden

13. Februar in Dresden

13. Februar in Dresden

13. Februar in Dresden

13. Februar in Dresden

13. Februar in Dresden

13. Februar in Dresden

13. Februar in Dresden

13. Februar in Dresden

13. Februar in Dresden

13. Februar in Dresden

13. Februar in Dresden

13. Februar in Dresden

13. Februar in Dresden

13. Februar in Dresden

13. Februar in Dresden

13. Februar in Dresden

13. Februar in Dresden

ZUR FREIEN VERWENDUNG:
stopper

Und hier noch ein Bild von der Menschenkette (Achtung Satire!):

Menschenkette

Hier noch Links zu anderen Einschätzungen des Tages:

Tagesschau

Heise

taz-Ticker von Tage / taz Artikel

Indymedia

classless Kulla

Woschod, das rote Blog

Twitter am 13. Februar

Posted 2 years, 3 months ago at 17:30.

15 comments

coloRadio berichtet am 13. Februar live von den Aktionen in der Stadt

Das veröffentliche ich doch gern:

Pressemitteilung von coloRadio

Einmal im Jahr wird coloRadio zum Leitmedium: Am 13. Februar wird in Dresden nicht nur der Zerstörung dieser Stadt 1945 gedacht sondern auch traditionell Europas größter Neonazi-Aufmarsch stattfinden. Aktionen des zivilen Ungehorsams, Menschenketten und viele Polizisten werden das “Spektakel” begleiten.

An diesem Tag gibt es von 12-22 Uhr die Sondersendung “Aktionsradio auf coloRadio”, die auf der Website coloradio.org empfangbar ist. Das Dresdner Freie Radio wird als einziges Medium aktuell, umfassend und in Echtzeit berichten, indem es alle Informationsströme bündelt. Ein weites Netz ehrenamtlicher Mitarbeiter_innen und Aktionsteilnehmer_innen ist nicht nur direkt an den Geschehnissen dran sondern vor allem drin. Per Handy und Stream gelangen die Informationen von den Brennpunkten des Geschehens live in den Äther, und Augenzeugen werden zu Gast im Studio sein.
Parallel dazu werden auf unserem Twitterkanal “coloradiodd” die neuesten Meldungen schriftlich durchgegeben.

“Bring dein Radio mit!” – Damit werden alle Dresden-Besucher aufgerufen, ihre UKW-fähigen Gadgets an diesem bewegten Tag zu nutzen. Auf 98,4 und 99,3 MHz erfahren sie schnell, ob und wie sie ihre momentane Lebenslage verändern sollten. Ausserdem wird coloRadio am 13. Februar schneller als jede Nachrichtenagentur sein und bietet damit kritischen Journalisten eine gute Arbeitsgrundlage.

Informationskanäle:

Web: coloradio.org

UKW in Dresden: 98,4 und 98,3 MHz

Twitter: coloradiodd

Posted 2 years, 3 months ago at 15:00.

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