Lange Zeit habe ich überlegt, was ich zum Samstag schreiben will. Vielleicht von meiner Seite nur so viel: Ich war am Hauptbahnhof blockieren (Ecke Bernhardstraße, Bayrische Straße) und später in Plauen am Ende der Chemnitzer Straße. Ich habe keine Steine geworfen; weder linke, noch rechte, noch übermäßige Polizeigewalt gesehen – für mich verlief der Tag also insgesamt friedlich.
Das was ich zur Situation denke, findet sich eigentlich exakt im SZ-Artikel „Der Stadt Dresden fehlt eine politische Haltung“ von Robert Koall, dem Chefdramaturg am Staatsschauspiel Dresden wieder. Wie er sehe ich mich als einen Normalo, als ratlosen Bürger, der eigentlich vor allem seine Ruhe haben und sich nicht für irgendwelche Interessen vereinnahmen lassen will. Und wie Robert Koall habe ich es trotzdem für notwendig befunden, endlich auch einmal etwas gegen die aufmarschierenden Rechtsextremen zu tun, die ich tatsächlich als Gefahr – in erster Linie nicht einmal für die Demokratie, das ist ja nun eher ein abstrakter Begriff – sondern als Gefahr für ganz normale Menschen (inklusive meiner Person) sehe, die nicht in das Schema dieser braunen Menschenfeinde passen. Ich will damit nicht leugnen, dass es auch Gewalt von linksextremer Seite gibt, aber es lohnt sich auf jeden Fall einmal die Statistiken zu vergleichen. Ich habe bisher noch von keinem von Linken ermordeten Neonazi gehört (Rainer Sonntag fiel damals seinem Machtkampf mit dem Zuhältermilieu zum Opfer), umgedreht sind offiziell 137 Opfer zu beklagen (Stand 2010). Ich denke, das spricht eine deutliche Sprache. Mit anderen Worten: Ich habe vor Neonazis durchaus auch Angst und die ist sicher nicht ungerechtfertigt. Trotzdem bin ich friedlich demonstrieren gegangen, auch im Vertrauen darauf, dass mich im Zweifelsfalle von der Polizei beschützt werde (vielleicht haben sich darauf auch die Bewohner der Praxis verlassen).
Wie Robert Koall sehe ich die Stadt und ihre obersten Vertreter in Zukunft in der Pflicht (und nicht zuletzt die Medien, die aus meiner Sicht endlich die Seiten gewechselt haben), sich aktiv an dem Widerstand ihrer Bürger zu beteiligen. Und nicht, wie in diesem Jahr und zuvor geschehen, diesen Widerstand kriminalisieren – als besonderen Auswuchs dieses Bemühens sehe ich den polizeilichen Überfall (anders kann ich es nicht nennen) auf die Zentrale des Bündnisses „Dresden Nazifrei“ im Haus der Begegnung.
Wie unser sächsischer Innenminister Ulbig richtig bemerkt hat, bedarf es einer Neujustierung aber entgegen seiner Vorstellung nicht nur durch Juristen und Ordnungsbehörden, sondern vor allem durch die Bürger dieser Stadt. Das abschließende Wort möchte ich Sabine Friedel von der SPD überlassen, die in einem Interview mit Endstation Rechts zur „Gedenkkultur“ um den 13. Februar Folgendes sagte:
„Man kann doch nicht an Opfer gedenken ohne gleichzeitig daran zu erinnern, aus welchen Gründen sie Opfer wurden! Damit lehnt man ja von vornherein ab, dass man aus der Geschichte lernt. Natürlich muss man am 13. Februar über den Nationalsozialismus reden. Der Tag braucht eine klare politische Botschaft – gerade weil er jahrzehntelang unpolitisch behandelt wurde, haben die Nazis hier ihr Einfallstor gefunden, um ihre politische Botschaft zu setzen. Man muss am 13. Februar nicht demonstrieren, man kann still gedenken. Aber still heißt bitte nicht inhaltsleer und geschichtsvergessen.“
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