„Auf Dich habe ich gewartet“, sagte die junge, attraktive Frau, als sie direkt auf mich zu kam. Passiert ist mir dies gestern auf der Prager Straße, ein Ort, an dem ich mich eher „alienated“ also wie ein Fremdkörper fühle. Mir war sofort klar, dass die hübsche Dame dies nicht sagt, weil sie mich so super attraktiv findet (da bin ich realistisch
), sondern, weil sie selbstverständlich eine Absicht hatte. Und nicht etwa die, mich zum Freund zu gewinnen, sondern weil sie mir etwas unterjubeln wollte. Auch wenn mir das sofort klar war, war ich anfangs regelrecht überrumpelt. Wann passiert es mir altem Knacker schon mal, dass so ein attraktives junges Ding auf mich zugestürmt kommt und dann auch noch sagt, sie habe auf mich gewartet? Nach kurzer Erholungsphase knurrte ich dann: „Das glaube ich nicht!“, doch diese Abwehr verschreckte die junge Frau nicht. „Doch“, sagte sie und hielt mir die Hand hin: „Ich bin die Lisa und wer bist Du?“ In dem Moment hätte ich gern meinen eigenen Gesichtausdruck gesehen; sicher eine Mischung aus Verunsicherung, Ekel und dem Wunsch der Spendensammlerin für die SOS-Kinderdörfer – als solche wies sie die „Karte“, die sie trug, aus – um den Hals zu fallen. Letztendlich ergriff ich die Hand nicht und brummte nur noch: „Nee, danke. Lass mal!“, und ließ die süße Lisa stehen.
Ist schon eine sehr perfide Strategie, einen Menschen so zu knacken. Wenn jemand freudestrahlend und scheinbar mit guten Absichten auf Dich zu kommt und zudem noch ansprechend aussieht, da ist man regelrecht entwaffnet. Nicht, das ich denke, dass die SOS-Kinderdörfer keine unterstützenswerte Sache wären (auch wenn es sicher wie bei vielen anderen dieser „hilfstätigen Spendensammler“ Skandale geben wird), aber ich lasse mich nur ungern manipulieren. Schon mal gar nicht auf so eine Art.

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