Schlechte Aussichten?
Seit einiger Zeit bin ich schon in Verbindung mit dem Förderverein zum Erhalt des Fernsehturms. Der Turm ist ja nicht nur DIE Attraktion in Pappritz. Wenn wieder mal jemand nicht weiß, wo ich wohne, dann sage ich „nicht weit vom Fernsehturm“ und jeder weiß Bescheid. Nun ist es leider so, dass das Bauwerk, das seit der Wende der Telekom gehört, seit eben jener Zeit für den Besucherverkehr geschlossen ist. Der Verein arbeitet seit Ende 2004 daran, den Fernsehturm aus seinem „Dornröschenschlaf“ zu wecken. Jetzt scheint dieses Ziel jedoch in weite Ferne gerückt: Anfang der Woche erschien ein Artikel in der Bild-Zeitung, in dem davon die Rede ist, dass das Rathaus die Bemühungen um die Wiedereröffnung aufgegeben hat. Wegweiser würden überklebt, der alte Parkplatz sei aufgerissen und wieder begrünt worden (was tatsächlich schon seit einer Weile so ist).
Dresdner|Rand (DR) sprach mit Eberhard Mittag (EM), dem Vorsitzenden des Fördervereins Fernsehturm Dresden e.V., über den Turm und die Chancen, dass dieser wieder zu einem Ausflugsziel für die Dresdner und ihre Gäste werden könnte.

Eberhard Mittag, Vorsitzenden des Fördervereins Fernsehturm Dresden e.V.
DR: Herr Mittag, zuallererst die Frage, was Sie persönlich mit dem Fernsehturm verbindet, warum Sie sich also für die öffentliche Zugänglichkeit einsetzen?
EM: Seit 1972 wohne ich in Dresden und war in dieser Zeit relativ oft Gast des Turmes. Ich habe mit dem Turm gemeinsam Geburtstag. Gerne würde ich auch weiterhin meinen Gästen und Besuchern meiner Heimatstadt diesen grandiosen Blick bis ins Erzgebirge oder die Sächsische Schweiz ermöglichen.
Der Turm wurde damals der politischen Führung der DDR abgetrotzt, da nicht alles nur nach Berlin geschafft werden sollte. Er wurde auch für das Volk gebaut und war ein beliebtes Ausflugsziel und nicht nur ein technisches Bauwerk zur Rundfunk- und Fernsehprogrammversorgung im damaligen Tal der Ahnungslosen (Zone ohne Westfernsehen).
DR: Waren Sie von der Bild-Zeitungsmeldung überrascht oder wussten Sie schon Bescheid über die „Aufgabe“ des Turms?
EM: Eigentlich nicht, durch alle politisch Verantwortlichen wurden bislang nur Einzelaktionen für den Erhalt des Turmes gestartet ohne politisch überzeugend von der Telekom oder deren Tochter der Funkturm GmbH die Wiederöffnung zu verlangen.
DR: Stehen Sie im direkten Kontakt mit der Stadt?
EM: Ja, wir stehen mit der Stadt in Kontakt.
DR: Sie sind Vorsitzender des Fördervereins. Können Sie uns bitte berichten, welche Aktivitäten Sie bisher mit dem Verein vorweisen können?
EM: Wir haben in den letzten sechs Jahren versucht den Turm immer wieder ins Bewusstsein der Dresdner zu rücken. Wir haben Appelle an den Bundespräsidenten (Horst Köhler), die Bundeskanzlerin (Dr. Merkel), die Ministerpräsidenten von Sachsen (Prof. Milbradt, St. Tillich), die Oberbürgermeister/in (Frau Orosz, Herrn Rossberg) und auch die Führung der Telekom (die Herren Ricken, Obermann, Dr. Pospischil, Zumwinkel) sowie unsere sächsischen Bundestagsabgeordneten gerichtet, um eine Wiedereröffnung des Turmes zu erreichen. Leider fühlt sich keiner so recht zuständig, um unser Anliegen umzusetzen. Dazu liegen rund 6.500 Stützunterschriften und 1.800 positive Stimmen einer SZ-Umfrage vor.
DR: Die Telekom ist ja Besitzer des Turms. Was können Sie uns über deren Pläne bzw. Absichtserklärungen verraten – Sie haben ja sicher da schon einmal nachgefragt?
EM: Die Telekom hat mehrfach unterstrichen alle Aktionen zu unterstützen, wenn sich ein Investor für den Turm findet. Pläne und aktuellen Stellungnahmen haben wir hierzu nicht.
DR: Was denken Sie, müsste passieren, damit der Fernsehturm wieder für die Dresdner Bürger zugänglich wird? Und als wie realistisch schätzen Sie dieses Szenario ein?
EM: Es müsste sich ein Investor finden, der den Turm übernimmt und wieder öffnet. Die Hoffnung stirbt zuletzt, solange der Turm steht, kann man ihn nicht wegdiskutieren und Fachleute für Bauwesen bescheinigen ihm eine Lebenserwartung >100 Jahre, 2010 wird der Turm 41.
DR: Was sind Ihre nächsten Schritte und wie können die Dresdner Sie unterstützen?
EM: Wir werden unsere Bürgermeisterin die gesammelten Unterschriften übergeben, die Dresdner könnten dies mit eigenen Schreiben an Frau Orosz unterstützen und auch wieder eine öffentliche Begehbarkeit fordern. Der Fernsehturm gehört zu Dresden, wie Semperoper, Zwinger oder Kulturpalast und dafür sollten sich gewählte Vertreter auch einsetzen.

Schlechte Aussichten für den Fernsehturm?
Tags: Dresden, Eberhard Mittag, Fernsehturm, Förderverein Fernsehturm Dresden e.V., öffentlich zugägnglich, Pappritz, Stadtverwaltung, Telekom
Ein hochinteressantes Interview. Ganz vielen Dank!
Hier mal wieder ein Zwischenstand zum Thema. Im Moment sieht es nicht gut aus:
http://www.dnn-online.de/dresden/citynews/kein-fortschritt-im-fall-dresdner-fernsehturm/r-citynews-a-9223.html