Polizei im Einsatz gegen Nazi-Gegner
Der Antifa-Spruch „Deutsche Täter sind keine Opfer“ geht mir schon lange auf die Nerven, weil kleine Kinder, Kranke oder alte Menschen, also all die, die nun wirklich keinen Anteil am Aufstieg und Bestand des Dritten Reiches hatten, in Mithaftung genommen werden. Wenn ich allerdings in der gestrigen SZ lese, das Polizisten in Berlin und Dresden die Räume der Organisatoren der Gegendemonstration vom 13. Februar durchsuchen, fällt es mir immer schwerer, mich gegen eine Pauschalverurteilung zu wehren. Was soll ich davon halten, dass die demokratisch legitimierte Polizei Plakate und Computer bei den Nazi-Gegnern konfisziert, weil diese angeblich zu einer Straftat („Gemeinsam blockieren!“) aufgerufen hätten, indem sie die Bürger auffordern, eine genehmigte Demonstration zu behindern. Die Rechtsaußen wird’s freuen: Wieder einmal kommen Ihnen die „Hüter der Demokratie“ zu Hilfe und bei mir verstärkt sich der Eindruck, dass das so gewollt ist. Lieber kämpft man gegen die „rote Gefahr“ auch wenn zu dem Bündnis nicht nur die AntiFa und die Linke gehören, als den Bürgern, die sich ernsthaft Sorgen um einen Angriff auf ihr Gemeinwohl machen, beizustehen.
Das hat Tradition. Eine der wenigen Traditionen, von denen man im seelig rückwärtsblickenden Dresden ausnahmsweise nichts wissen will. Die sächsische Landeshauptstadt war im Dritten Reich eine braune Hochburg, dafür gibt es genügend historische Belege (Wer’s nicht glaubt, der lese zum Beispiel Victor Klemperers Tagebücher). Daran erinnert man sich in der Stadt nur ungern. Das geschichtliche Gedächtnis der Stadt sieht häufig genug aus, wie hier… Die Dresdner des Jahres 1945 waren nicht nur Opfer – auch wenn das den Bombenangriff selbstverständlich nicht rechtfertigt. Wenn wir den Nazis jetzt wieder die Straße überlassen, und ihre Geschichtsverklärung damit gesellschaftsfähig machen, wird das sicher nicht zum Besten der Stadt oder des Landes sein. So viel ist sicher.
PS: Dieses aussagefähige Dokument (pdf) fand ich bei meiner Recherche im Netz. Man muss sicher nicht alle Ansichten teilen aber da ist viel Wahres dran…
Tags: Gegendemonstration am 13. Februar behindert, Polizeirazzia gegen Nazi-Gegner
das erinnert mich an ein altes Gedicht über die Augen der Macht (damals Weimarer Republik):
“Mit dem linken schiesst sie Blitze, doch das rechte drückt sie zu”
(leider habe ich den Dichter vergessen und finde ihn auch nicht bei Google – wahrscheinich Tucholsky oder Weinert)
Das scheint mir auch genau das Problem zu sein – man hat nicht aus den Fehlern der Weimarer Republik gelernt. Da dachte man ja auch, man könne die bösen Linken unter Kontrolle halten, wenn man die extremen Rechten an “langer Leine” agieren lässt. Letztendlich hat man sich an ebendieser Leine dann aufgehängt.
Ich kann eigentlich mit “Antifa” (wer oder was immer das ist) auch nicht viel anfangen, aber diese Dursuchungen sind eigentlich ein guter Anlass um am 13.02. auf die Straße zu gehen: um zu zeigen, dass man diese staatliche Willkür zum kotzen findet.
Du sagst es. Ich bin sicher dabei.