Performance im Stasiknast

Gestern war ich zur Eröffnung der Aktion „Ohne Uns!“ im ehemaligen Stasi-Knast auf der Bautzner Straße. Es war nicht mein erster Besuch an diesem Ort; ich hatte mich schon lange dafür interessiert und vor drei oder vier Jahren mal die Gelegenheit genutzt, mir das Gefängnis anzuschauen. Ich erinnere mich auch noch an die Zeit, als noch eine Betonmauer vor dem Haus stand, an der ein Graffiti prangte: „Mahnmal für Staatsterror“. Umso mehr war ich verwundert, als mir einige Freunde erzählten, dass sie noch nie in der Gedenkstätte waren, darunter auch einige gebürtige Dresdner.

Wie auch immer, der Anlass für meinen neuerlichen Besuch war die derzeitige Ausstellung im Knast, die mit einer Performance von fünf Frauen eröffnet wurde, die am 4. Dezember 1989 das MfS-Gebäude in Erfurt besetzten. Diese fünf, vier davon hatten selbst „eingesessen“, waren die ersten in der DDR, die den Mut dazu aufbrachten, in die „Höhle des Löwen“ zu gehen .
Während der Performance spielten dann auch die persönlichen Geschichten dieser Frauen eine zentrale Rolle. Einem Bekannten war das Ganze zu „esoterisch“ weil eine der Künstlerin mit einer Trommel rumzog und am Ende gemeinsam „gechantet“ wurde. Das ist in unserer Kultur vielleicht etwas ungewöhnlich aber schließlich ging es genau darum, aus der Gemeinsamkeit Kraft zu entwickeln, nicht am Rande zu stehen, sondern in die Mitte zu treten, sichtbar eine Position einzunehmen. Selbst bei so lapidaren Dingen wie der Aufforderung, sich für alle sichtbar aufzustellen und mit einem Kohlestift ein Zeichen auf Papier zu hinterlassen, merkt man, wie schwierig es sein kann, aus der Gruppe herauszutreten, sich angreifbar zu machen. Eine schöne, nachvollziehbare Metapher für die Situation in der DDR und ein Hinweis an einen selbst, wie feige man gelegentlich ist (und war).

Im dritten Stock des Hafttrackts dienten die Zellen als Räume für kleinere Installationen, von denen mir am besten die von Detlef Schweiger gefiel. Der Dresdner Künstler hatte bei der Birthlerbehörde Tondokumente des originalen Funkverkehrs von den Ausschreitungen am Dresdner Hauptbahnhof (8. Oktober?) zu einer verstörenden Collage zusammengestellt.
Tags: Ausstellung, Ohne uns, Performance, Stasi-Gedenkstätte
Die Ausschreitungen waren am 8. Oktober schon vorbei. Am Hauptbahnhof hieß es noch »Wir wollen raus!«. Ab dem 8. Oktober hieß es: »Wir bleiben hier!«. Ich glaube, letzteres hat der Staat DDR ab diesem Tag als Hauptproblem gesehen ;-)
Der 8. Oktober 1989 war der Abend, an dem die Sicherheits- und Polizeikräfte in Dresden zum ersten Mal mit den Demonstranten verhandelten. Am 9. Oktober 1989 war dann die große Montagsdemonstration in Leipzig.
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Jetzt zu dem ganz anderen Thema: ich denke, es ist heute die freie Entscheidung eines jeden Menschen, ob er sich an einem esoterischen Tanz oder Gesang oder öffentlichem Zeichnen beteiligen will. Es hat deshalb nicht unbedingt etwas mit Courage zu tun, ob jemand bei so etwas mitmacht. Ich bin z.B. ein überhaupt nicht esoterisch veranlagter Mensch und mich könnte man damit nachhaltig verjagen ;-)
Und wann war’s denn nun. Es gibt auch aus meiner Sicht Einiges an Unklarheit, wann genau die Züge durch Dresden gefahren sind. War das nun Ende September oder kurz vorm 7. Oktober?
Was den zweiten Teil Deiner Wortmeldung betrifft:
Is ja Deine Entscheidung. Ich wollte nur sagen, dass manche Leute nicht mal bei so lapidaren Dingen den Mut finden, mitzumachen. Ehrlich gesagt mag ich es auch nicht, wenn das Ganze als esoterisch abqualifiziert wird. Wenn die Menschen ihr Leben damit besser in den Griff kriegen, wenn sie Bäume umarmen und die Mutter Erde anbeten – perfekt! Ist mir lieber als alle organisierten Religionen zusammen.
Die Ereignisse am Hauptbahnhof waren am 04.10.1989. Opfer des Vorgehens der Polizei waren auch Unbeteiligte und friedlich demonstrierende Bürger. Sie wurden »zugeführt« und entwürdigend behandelt. Zwischen dem 05.10. und dem 07.10. gab es nach meiner Erinnerung kleinere Demonstrationen, die noch von der Polizei aufgelöst wurden. Ich selbst war am 08.10. zum ersten Mal auf der Prager Straße dabei.
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Was die Esoterik betrifft: über deren Sinn würde ich mich niemals streiten. Gern lasse ich jedem Menschen seinen Glauben. Aber ich sehe es nicht als Beweis für Mut oder Feigheit, bei einer esoterischen Performance mitzumachen oder nicht mitzumachen.
Pösewicht! Er will mich nicht verstehen. Werft den Purschen zu Poden. (zum Teil zwei)
:-)