Nötigung am Sonntagmorgen
Gerade war ich auf dem (halben) Weg nach Gönnsdorf, um im Supermarkt ein paar frische Brötchen zu erstehen (Ja, solch einen Luxus gibt es hier am Rande der Stadt!). Der Radweg war voller Schnee und Eis und mir rutschte das Hinterrad mehrfach weg. Was macht man in solch einem Falle? Richtig, man benutzt einfach die Straße, Sonntagmorgen, halb neun in Deutschland.
Auf dem Rückweg hält es ein junger Mann dann doch tatsächlich für nötig, mich zu belehren, dass ich auf dem Radweg fahren soll. Er fährt also mit dem Auto auf gleicher Höhe und textet mich voll. Und da ich mich nicht einsichtig zeige, versperrt er mir die Straße. Erst als ich andeutungsweise auf den Radweg fahre, lässt er mich in Ruhe, vielleicht ist ihm aber auch aufgegangen, dass das nicht so ganz legal ist, was er macht, als ich ihm laut sein Autokennzeichen vorsage.
Das Ganze klingt jetzt sehr dramatisch, ehrlich gesagt hat es mich aber eher belustigt. Meines Wissens gibt es keine gesetzliche Pflicht zur Benutzung des Radweges und selbst wenn es die gäbe – ich hatte ja meine Gründe für die Straßenfahrt. Die Nötigung an sich, und darum handelt es sich beim Verhalten des jungen Mannes, ist mir egal. Eigentlich gab’s keinen Grund für dieses bescheuerte Verhalten. Ich hatte das Licht an (schon wegen des Nebels) und war auch nicht in der Mitte der Straße unterwegs. Wenn mich der Automensch fast übern Haufen gefahren hätte, weil er mich nicht sehen konnte oder weil ich blöde auf der Straße rumgetorkelt bin, dann hätte ich seine Überreaktion verstanden, so musste ich mir nur an den Kopf greifen. Erstaunlich, in welch jungen Jahren manche schon zum (mentalen) Hutfahrer werden und meinen, den Sheriff auf der Straße spielen zu können (wobei ich nicht vermute, dass der Kollege am Steuer typischerweise langsam unterwegs ist)…
Tags: mentaler Hutfahrer, Nötigung, Radweg benutzen
Er hat Dir ernsthaft den Weg versperrt? Wahrscheinlich sollte man als Fahrradfahrer für solche Gelegenheiten immer einen kopierten Zettel mit den rechtlichen Grundlagen in der Satteltasche haben. Die Wege mit dem Schild »frei für Radfahrer« muss man überhaupt nicht benutzen. Und wenn der separate Radweg nicht geräumt ist, darf man selbstverständlich auf der Straße fahren. Einzige Ausnahme wäre eine B-Straße mit Mindestgeschwindigkeit 40 km/h.
die variante, dass der autofahrer den radfahrer ausbremst kenne ich noch nicht. ich werd eigentlich immer “nur” angehupt, zugetextet oder hin und wieder mal abgedrängt, wenn ich mich erdreiste auf der straße zu fahren. meist ist meine reaktion dann ein eher gemächlicher fahrstil ;)
ich hab für solche fälle immer meine kleine kompaktknipse in der jackentasche. wenn ich die aufs nummernschild richte, klärt sich die sache meist recht schnell. :D
was die rechtslage angeht sieht es afaik so aus:
du bist grundsätzlich verpflichtet einen radweg zu nutzen, wenn er vorhanden UND durch ein entsprechendes blaues schild gekennzeichnet ist. steht nur ein fußweg mit “fahrrad frei”-schild zur verfügung kannst du selbigen nutzen, musst aber nicht.
ist der radweg nicht beräumt oder sonstwie nicht sicher befahrbar, bist du in jedem fall berechtigt die straße zu nutzen.
schönen sonntag noch :)
Danke für die Auklärung. Jetzt muss ich glatt mal schauen aber ich glaube, da ist ein Radwegschild und kein “frei für Radfahrer”…
Jaja, auf dem Lande geht es schon etwas härter zur Sache.
in fällen, wo jemand den weg versperrt muss er auch immer damit rechnen, dass der bremsweg eines so gestoppten fahrradfahrers bei den temperaturen und bei dem bodenbelag meist direkt in seiner seitentür endet ;)
schon mehrmals drüber nachgedacht, wie man den bügel eines vorderradgepackträgers so umbauen kann, dass er als kleiner stoßfänger vor dem vorderrad sitzt. nur zur erhöhung der stabilität versteht sich…*dumdidum*
@Martin: Genau – ein Kuhfänger (Fachbegriff “Frontschutzbügel”) fürs Rad – gleich mal patentieren lassen.
Ist zu schwer. Und der Rahmen kann unter dem Aufprall leiden …
von aufprall war auch nie die rede. aber son kleiner kratzer im lack dürfte die meisten in ihr auto vernarrten leute von ähnlichen zukünftigen aktionen abhalten.
praktisch wär in dem fall auch nen kleinen vorrat an gut haftenden aufklebern in der tasche zu haben, von denen dann einer ganz fix mal die windschutzscheibe verschönert. aufschrift etwa: dir gehört ein auto, nicht die straße.
Ich habe inzwischen eine gute Taktik für solche Rambo-Situationen, die sogar einmal zu einer Entschuldigung (an der Ampel) und einmal zu einem sofortigem Abbremsen und unsicherem Umdrehen etc. führte..; ich tu` wie eine Zivil-Polizistin (schneefrei mit Rad), die mal eben schnell das Handy zückt; etwas an “Phantom-Kollegen” hörbar(!) faselt, das Kennzeichen, pantomimisch unterstützt, durchgibt und ein imaginäres Handy-Foto schießt- ich glaube, sie waren wenigstens verunsichert, dass sie unterwegs angehalten + gefilzt werden.:-))))
Da ist ja eine ganze Menge subversives Potenzial auf den Fahrrad unterwegs. Ich werde die verschiedenen Strategien in nächster Zeit mal erproben…
Den Spinner zu rammen, war keine Option, das Rad ist neu. Außerdem wäre das Jüngelchen dann wahrscheinlich ausgerastet und das hätte Handgreiflichkeiten zur Folge gehabt. Wer da gewonnen hätte, weiß ich nicht zu sagen. Persönlich gehe ich solchen Situationen ja lieber aus dem Weg.
Am besten ignoriert man solche Leute, denn Dummheit und Aggression sind ansteckend. Das sind solche Leute, die dann die Beifahrertür aufreißen und sich wundern, dass auf dem Radweg ein Radfaher kommt.
Natürlich bist du nicht verpflichtet, einen ungeräumten Radweg zu benutzen. Selbst ohne Schnee gibt es Mindestbedingungen zu Breite, Ein- und Ausfahrt, Markierung, Bodenbeschaffenheit, die in Dresden praktisch nirgends durchgängig eingehalten werden.
@Konrad Bauckmeier
..manchmal reagieren aber auch bei kultivierten Verkehrsschwächeren die Selbsterhaltungsreflexe! ;-)
Meditierts Du in solchen Situationen immer mit BGB oder StVO? Alle Achtung, dann machst Du nie etwas “verkehrt”;-) Ironie-Schmunzel-Modus aus
Allgemein gilt wohl: Ruhig bleiben. Wenn der die das Gegenüber aber auf dem Aggro-Trip ist, wird’s immer schwierig. Ich lass mich dann auch mal schnell zu einer dummen Bemerkung hinreißen, was die Situation im Allgemeinen nicht entspannt…
ich musste über die DIN-Angaben schmunzeln und habe mich comichaft neuerdings mit Maßband und Schnell-Bodenprobenmesser inkl. Nachschlagewerke auf dem Radbuckel ausgestattet gesehen/ meistens erlebe ich solche Situationen dann doch mit einem befreienden Anlächeln oder wir wollen uns gegeseitig sogar die “Vorfahrt” lassen-