Ja, Deutschland stirbt aus und es gibt zu wenige Menschen, die die Last des Elternseins noch auf sich nehmen. Das mag ja alles richtig sein. Trotzdem habe ich schon seit einiger Zeit einen ziemlichen Brass insbesondere auf den weiblichen Teil der Elternschaft – Väter fallen mir diesbezüglich aber auch negativ auf, dazu jedoch später.

Wer unterwegs ist, begegnet ihnen immer wieder: jungen Frauen mit Kinderwagen, die meinen, der Fuß- (oder Elberad)weg wäre ausschließlich für sie gebaut wurden. Da wälzt sich eine Armada von drei Kinderwagen gegen den Verkehr mit einer Selbstverständlichkeit, die sagt: Hier ist der Mittelpunkt der Welt. Und wehe, man sagt dann mal was in Richtung: Hier möchte auch andere fahren oder gehen, da wird man böse angeguckt. Uh! Aber auch allein nehmen diese Muttis auf dem Gehweg immer schön die Mitte ein, so dass auch ja niemand anders vorbei kommt. Ich bin Mutti, was seid Ihr!

Wer aber denkt, dass dieses Muttitum aufhört, sobald der Nachwuchs laufen kann, der täuscht sich. Für mich sichtbar manifestiert es sich jeden Morgen auf der Quohrener Straße vorm Bühlauer Gymnasium. Nun denkt man ja, dass jemand, der in mindestens die fünfte Klasse geht, in der Lage sein sollte, allein mit Bus oder Fahrrad zur Schule zu fahren – persönlich bin ich mit meinen Klassenkameraden ab der ersten bis zur vierten Klasse von Frühling bis Herbst und ab der fünften ganzjährig mit dem Fahrrad ins Nachbardorf gefahren – doch weit gefehlt. Überall verstopfen Eltern – und hier dürfen sich endlich auch mal die Pappis Dank ihrer Benzinkutschen profilieren – die Straße, stellen die Gehwege zu und verhindern Dank Umlenkmanövern, dass der normale Pöbel zur Arbeit kommt. Das beobachte ich nun schon eine ganze Weile aber heute ist das Fass dann letztendlich übergelaufen, weil da doch tatsächlich zwei dieser blonden Wohlstandsmuttis standen, sich angeregt unterhielten, während sich der Verkehr an ihren halb auf der Straße stehenden Autos vorbei quälte. Die Krönung war jedoch, dass der von mir benutzte Fußweg – links an den Autos war auch für mich alten Kampfradler kein Vorbeikommen – fast vollständig blockiert war, weil Mutti’s Blage beim Aussteigen offensichtlich zu faul gewesen war, die Tür zu schließen. Kurz überlegte ich, ob ich gegen das Hindernis trete aber ich entschied mich dann doch dagegen, denn höchstwahrscheinlich hätte es mich einfach hingehauen und an der Tür wäre nicht mal ein Kratzer gewesen.

Ich weiß, das hier Geschriebene ist etwas übertrieben, trotzdem entspricht es der Wahrheit. Nur weil diese Damen und Herren ihren gesellschaftlichen Fortpflanzungsauftrag erfüllt haben, müssen sie nicht die ganze Umwelt terrorisieren. Ein bisschen Rücksichtnahme kann man auch von ihnen verlangen, schließlich sind sie ja Vorbilder für ihre Kinder…

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12 Comments

  1. Hier mal noch ein aktueller Artikel zur Kindererziehung. Muss ich allerdings selbst noch lesen. http://www.heise.de/tp/artikel/37/37199/1.html

  2. Ich fahre täglich mit dem Rad und ich freu mich auch immer tierischst, wenn die Radwege verstopft sind, zu allem Überdruss ist meine Klingel kaputt. Ich seh trotzdem nicht das Problem bei den Menschen, den Raum doch eigentlich nur ohne Beklemmung nutzen wollen. Dresden wächst, nach Innen hin verdichtet sich alles, selbst für Fussgänger allein ist manchmal nicht mehr ausreichend Platz. Der Tourismus gibt der Sache den Rest. Ich habe keine Ahnung von Stadtplanung, aber ich sehe eher das Problem am Wunsch nach Individualverkehr, weniger bei den Menschen. Ach so Kinder hab ich auch. Selbst wenn ich ein Auto hätte in 75% der Fälle wäre ich mit dem Rad schneller.

  3. Gerade für den Elbradweg wünsche ich mir ja schon seit längerem ein “Fußgänger verboten” Schild.

  4. @Steffen: Ja, es wäre schön, wenn es mehr Raum gäbe aber dafür engagieren sich nur die Wenigsten politisch. Fakt ist aber: Wenn ich mit dem Platz auskommen muss, dann muss ich mich mit meinen Mitmenschen arrangieren.
    Hauptaufreger waren aber die Eltern, die ihre Blagen mit dem Auto vor die Schule fahren müssen. Das empfinde ich als unnötig, überflüssig, verurteilenswert.

    @ Numanoid. Alter Radikalo, Du! :-)
    Das ist doch was für Dich, oder? http://www.zeit.de/digital/internet/2012-06/trolle-internet

  5. Das hat nichts mit Trollerei zu tun. Die meisten Fußgänger kapieren einfach nicht, daß dort nur deshalb so schöne, breite, asphaltierte Wege existieren, da es dafür massig (EU-)Fördermittel für die Verbesserung des Radverkehrs gab. Also einfach mal für eine gewisse Zeit auf die Trampelpfade rechts und links verbannen und hoffen das sich ein gewisser Lerneffekt einstellt.

  6. Tja, das hat schon Ursachen, dass die lieben Kleinen gefahren werden müssen – alles schon gehört:

    - Bei den ganzen Kinderschändern?
    - Allein bei dem Straßenverkehr radfahren? Selbst vor der Schule: nur Autos!
    - Straßenba- was? Soll teuer, dreckig und unpünktlich sein! Also hab ich mal gehört – bin ja selbst vor 22 Jahren das letzte Mal mitgefahren… Ist doch außerdem nur was für Arme, die sich kein Auto leisten können!

    Es soll ja sogar Schulen geben, die Kurse zum Thema “Bus fahren” machen, weil die 5.-Klässler es sonst nicht schaffen, 3 Haltestellen zum Sport oder Schwimmen zu fahren…

  7. @E-Haller:

    1. Die Kinderschänder sitzen oft in der eigenen Familie. Da kann man also zu Fuß hingehen
    http://eltern.t-online.de/kindesmissbrauch-sexueller-missbrauch-in-der-familie/id_20746248/index

    2. Da hast Du schon recht. Ist zum Teil wirklich gefährlich. Aber auch weil all die Muttis und Vatis jeden klitzekleinen Weg mit dem Auto fahren müssen.

    3. US-Verhältnisse, jetzt auch in Deutschland…

    Stimmt das mit den Kursen? Das wäre ja echt ein Armutszeugnis.

    @ Numanoid: §1 der StVO:
    (1) Die Teilnahme am Straßenverkehr erfordert ständige Vorsicht und gegenseitige Rücksicht.

    (2) Jeder Verkehrsteilnehmer hat sich so zu verhalten, daß kein Anderer geschädigt, gefährdet oder mehr, als nach den Umständen unvermeidbar, behindert oder belästigt wird.

    Das Problem ist allerdings, dass die Muttis aber auch viele andere nicht kapieren, dass der ElbeRADweg eine VERKEHRsader ist. Zum Schlendern können sie gern auf die Wiese ausweichen…

  8. Zum Thema: http://mamirobic.de/

    (Gerade durch Zufall gefunden…)

  9. Auwei! Dem Angebot gebührt ein Ehrenplatz :-)

  10. Viele Muttis betonen meist, dass sie ihre “Kleinen” ja gern auch selbst zur Schule laufen (oder mit dem Bus fahren) lassen würden. Aber das ist ja viel zu gefährlich! Wegen der vielen Autofahrer. Und nur deshalb machen sie dann selbst die vielen zusätzlichen Autofahrten zur Schule. Klingt logisch.

    Jaja, ich kenne das, mich hat das auch immer genervt. Am besten sind immer diese Ex-Alternativen unter den Muttis, die ja eigentlich sogar noch aus einer Rest-Grünheit etwas gegen Autos haben, wären da nicht die vielen Gründe, weshalb man nun leider doch nicht ohne dasselbe auskommt.

  11. Tja – und nun das schizophrene an der Situation: erst der 11-jährige an der Bautzner, gestern der 10-jährige in Leuben – beide Unfälle wären wohl nicht passiert, wären die beiden schön mit dem Auto umhergegondelt worden. Damit wird also das für uns “richtige Vorgehen” hart von der Realität eingeholt… :(

    • Vielleicht saßen in den Autos ja “Muttis” am Steuer?

      Aber ganz im Ernst. Die Konsequenz kann ja nur heißen: Autoverkehr begrenzen…

  12. Pingback: Kampfradler unite! | Dresdner|Rand

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