Mensch kämpft mit Maschine
Am Samstag hatte ich ein Erlebnis der besonderen Art, von dem ich Euch an dieser Stelle berichten möchte. Als ich unseren örtlichen Supermarkt besuchte (den Namen werde ich nennen, denn das kann so sicher überall passieren) stand am Rückgabeautomaten für die Flaschen eine nicht unerhebliche Menge Rückgabewilliger mit ihren Pfandbehältnissen. Grund für diesen Rückstau war die Arbeitsverweigerung des Automaten. Das passiert nun gar nicht so selten, wie man eingangs vermuten mag aber meist ist das Problem recht schnell behoben. Diesmal jedoch nicht. Das Gerät streikte ausdauernder als jede IG Metall-Ortsgruppe. Immer wieder versuchte der Geschäftsführer des Ladens, der sich höchstselbst um das Problem kümmerte, den Schaden zu beheben. Bei ein, zwei Fläschlein ging das gut, dann war wieder Sendepause. Schlussendlich gab der Herr sein Vorhaben auf, nahm die Flaschen „händig“ wie meine Kollegen das nennen würden zurück und schrieb ebenfalls per Hand kleine Belege. Ob er eine Kopie davon machte, konnte ich nicht sehen. Sicherlich, denn am Ende muss die Buchhaltung ja stimmen. Doch das war noch nicht das Ende der Geschichte. An der Kasse angekommen, fragte mich die Verkäuferin, wie sie das denn einbuchen solle (oder sie stellte die Frage in den Raum), worauf ich nur mit einem breiten Grinsen im Gesicht antworten konnte „Na ich weiß es nicht. Wenn Sie’s nicht wissen…“ Letztendlich konnte die Kassendame die an sie gestellte Aufgabe Dank der Hinweise eines Kollegen lösen.
Zwei Dinge habe ich bei dieser hier so schnell dargestellten, in Wirklichkeit aber einigermaßen zähen Aktion (so ca. 20 Minuten hielt der Getränkebehältnisrückgabeautomat die Einkaufenden in etwa auf) gelernt:
1. Wir verlassen uns extrem auf die Technik (im Großen wie im Kleinen) und wenn die mal nicht funktioniert, stehen wir ganz schön im Regen. Im Stressfalle ist ein Mensch immer besser als eine Maschine, weil er zumindest nicht vollständig ausfällt (es sei denn, er fällt um oder kündigt und geht). Während beim Menschen gutes Zureden noch Hilfe verspricht, sind Maschinen so nicht zur Weiterarbeit zu bewegen (Voodoo-Techniker können das vielleicht doch)
2. Am Samstagvormittag sind die meisten Mitmenschen unerträglich. Anstatt solch eine Situation für einen entspannten Plausch zu nutzen oder ein paar scherzhafte Bemerkungen zu machen und so die Situation zu entspannen, ballen sie zumindest mental die Fäuste, auf dass man sie nicht ansprechen möchte, aus Angst, sie machen ihrer Missstimmung durch tätliche Angriffe Luft.
Wirklich lustig – so als Sahnehäubchen des Ganzen – war ein Herr im besten Alter, der in solch einer Situation wegen 24 Cent, die ihm aufgrund eines Fehlers zuviel abgezogen wurden, eine geschlagene Viertelstunde wartete, bis der Geschäftsführer des Ladens, der ja noch verbittert an der Automatenfront kämpfte, Zeit für ihn hatte. Die Kassiererin konnte aus eigener Kraft das Geld natürlich nicht herausgeben. Oh Gott, diese Verantwortung! Man überlege sich: 15 Minuten warten für 24 Cent! Das macht 0,96 Euro hypothetischen Stundenlohn. Jetzt wundern mich die Hungerlöhne, die mancherorts gezahlt werden, nicht mehr. Aber sicher ging’s nur ums Prinzip und nicht ums Geld…
Tags: Automat defekt, Mensch Maschine, Pfandautomat
“Aber ich mach des jetzt anders. Ganz profilike wie die andern Berliner. Ich werd meine Pfandflaschen ab sofort auch einfach so gut sicht- und einsammelbar auf die Straße stellen.” (nackoswelt)
Feiner Link Herr Henteaser. Besten Dank! Keine schlechte Idee das mit der Spende…
Ich hab ja den Verdacht, dass »sie« die Automaten absichtlich so besch****n programmieren, damit der Kunde es irgendwann satt hat und seine Flaschen in den Plastikmüll wirft. Stichwort: Pfandschlupf.
Könnte was dran sein. Ist wirklich murks, dass Alles mit Automaten zugeknallt wird. Früher haben Menschen die Aufgaben erledigt und ich denke, auch nicht schlechter. Nur kostet das wahrscheinlich ein paar Pfennige mehr. Wobei ja auch in der Kaufhalle niemand die ganze Zeit hinter der Flaschenannahme stehen musste.
Ich hatte vor einiger Zeit mal ein lustiges Erlebnis mit einem kleinen Inder, der nach Rossendorf rauswollte und den ich dann da abgeliefert hab. Der meinte auch, dass für ihn das Seltsamste in Deutschland ist, das Alles automatisiert ist. Er konnte nirgends mal Jemanden fragen, wenn er was wissen wollte. Schöne neue Welt…