Dresdner|Rand

Dresden vom Rand her betrachtet.

Mann sei stark!

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Mann sei stark!Dresdner|Rand

Gestern hatte ich mal wieder ein Erlebnis der „Sonderklasse“. Beim Bäcker liegen ja immer die aktuellen Tageszeitungen auf dem Tresen, so dass man den Aufmacher lesen kann. Gut, bei der BILD-Zeitung gibt es meist nicht viel zu lesen, dafür umso mehr zu sehen. Gestern also prangte ein Foto von Wahlgewinner Guido Westerwelle, der seinen Lebensgefährten Michael Mronz im Arm hielt, auf dem Titel der Boulevard-Zeitung. Die entsprechende Überschrift lautete (in etwa): „Sein Mann macht ihn stark!“ Noch bevor ich mich fragen konnte, was der klassische BILD-Leser darüber wohl denken wird, bekam ich schon die Antwort. Eine gepflegte Dame fortgeschritteneren Alters betrachtete das Bild angeekelt, wiederholte deutlich vernehmbar die Überschrift und fragte für Jeden hörbar „Oh mein Gott! Wo sind wir nur hingekommen…?“ in einem Tonfall, der der ganzen von ihr empfundenen Widerwärtigkeit Ausdruck verlieh. Am liebsten hätte ich der Dame eine schallende Ohrfeige verpasst aber leider bin ich viel zu höflich. So brummelte ich mit leicht sarkastischen Ton vor mich hin: „Genau, das ist der Untergang des Abendlandes!“ und machte, dass ich dort wegkomme, um nicht doch noch unflätig zu werden.
Ein wenig frage ich mich, was wohl das wahre Anliegen der BILD-Zeitung gewesen sein mag, schließlich kennen die Journalisten ihre Klientel. Reaktionen wie diese waren vorhersehbar. Ich hab den Artikel dann im Internet gelesen; von Häme oder versteckter Boshaftigkeit konnte ich jedoch nichts entdecken. Geschadet haben dürfte das Ganze Westerwelle doch, da es hierzulande immer noch genügend Leute gibt, die einfach nicht akzeptieren können, dass es auch andere Lebensentwürfe gibt, als den eigenen. Solange man über seine Homosexualität nicht spricht, schweigt auch des Volkes Stimme dazu. Als Politiker steht man dummerweise mitten im Lichte der Aufmerksamkeit und wenn Westerwelle einen Fehler macht oder eine unpopuläre Entscheidung trifft, wird ihm sein Schwul-Sein sicher wieder angekreidet werden.
Auf der anderen Seite ist es erfreulich zu sehen, dass selbst in Deutschlands größter Tageszeitung recht objektiv über ein homosexuelles Paar berichtet wird, so dass man darauf hoffen kann, dass es zunehmend ein Stück normaler wird, einfach so zu sein wie man ist, auch wenn man sich damit von der Mehrheit unterscheidet.



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Posted in Dresden streitet and Dresden verkehrt 2 years, 4 months ago at 12:51.

1 comment

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One Reply

  1. Mit der Toleranz der meisten Menschen ist es leider nicht weit her…
    Gewalt hilft da aber auch nicht weiter. Beim nächsten Mal sagen Sie der Frau einfach ins Gesicht, was Sie von ihrer Meinung halten.


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