Anfang September war ich mit meiner Frau im Urlaub in der Slowakei, genauer gesagt in der Hohen Tatra. Sie erzählte mir dann, dass bei der „Auswertung“ im Kollegenkreis der einhellige Tenor in etwa darin bestand „als Kinder waren wir mit unseren Eltern da, es war toll aber jetzt würden wir da nicht mehr hinfahren“. Die Frage nach dem Warum wurde dann vor allem mit der Aussage beantwortet, dass das ja quasi vor der Haustür läge. Zudem kam noch die Vorstellung hinzu, die Slowaken würden quasi noch auf den Bäumen leben. Manches davon erinnert fatal an die Klischees der Westdeutschen über die DDR, die dachten, wir sitzen des Abends freudlos Trockenbrot kauend beim Kerzenschein in unseren kalten Wohnungen.
Ich kann ja durchaus verstehen, dass mancher ein wenig Angst davor hat, nach Osten bzw. in die ehemaligen Bruderländern zu reisen, man hört ja „so viel Schlimmes“. Es ist tatsächlich auch so, dass es mancherorts noch ein wenig „zurückgeblieben“ aussieht, denn viele unserer Nachbarn waren nicht mit einem großen, finanziell gut ausgestatteten Bruder gesegnet, der massiv in den Ausbau der Infrastruktur investieren konnte. Zudem ist das Einkommensniveau ein anderes als hierzulande, d.h., dass man hier und da, wenn man zu „touristisch“ auftritt, auch gern mal über den Tisch gezogen wird. Trotzdem sind die Menschen auch in der Tschechei, Polen oder der Slowakei nicht mehr mit dem Pferdewagen unterwegs und der Reisende wird nicht an jeder Ecke beklaut. Am vergangenen Wochenende war ich zum Beipiel in Olomouc, einer sehr hübschen Stadt im tschechischen Osten, Stress gab es überhaupt keinen und selbst die dreistündige Fahrt mit der Bahn dahin war angenehm. Sahen die Zugwagons kurz vor bzw. nach der Wende noch dreckstarrend und abgerissen aus (wer erinnert sich noch an die Zustände bei der Deutschen Reichsbahn?), so entsprechen sie heute üblichen Standards. Mit dem Vorteil, dass man hier sogar noch ein Fenster aufmachen kann.
Wer lieber seine Vorurteile gegenüber den Osteuropäern pflegt und deren Länder meidet, der hat auch im eigenen Land genügend Möglichkeiten sich umzutun. Dank familiärer Verbindungen weilte ich zum Beispiel vor einigen Jahren in Bensheim an der Weinstraße. Sehr schöne Gegend, die insbesondere jetzt im Herbst für die Freunde des Rebsaftes von Interesse sein sollte. Wer nicht wie ich einen Cousin vor Ort hat, der kann sich eine hübsche Ferienwohnung im Odenwald suchen, das ist preiswerter als ein Hotel und so manche Pension.
Apropos Geld – das häufig gewählte Argument, sich gegen den Urlaub in Deutschland zu entscheiden. Klar ist es hierzulande nicht so billig wie in Thailand oder andernorts und auch nicht so exotisch. Aber allein die Flugkosten machen häufig einen solchen Batzen aus, dass man hier davon ganz entspannt eine hübsche Ferienwohnung mieten kann. Und wenn sie es nicht tun, dann kann man davon ausgehen, dass das Geld anderweitig hereingeholt wird, schließlich hat Niemand etwas zu verschenken. Ganz zu schweigen von der ökologischen Schweinerei, die durch die Vielfliegerei angerichtet wird. Aber das ist den meisten sowieso egal. Leider.
Ein Argument, für einen Urlaub außerhalb ist meist das schlechte Wetter in Mitteleuropa. Da ist sicher etwas dran aber gerade im Sommer war es in den letzten Jahren hier oftmals so brütend heiß, dass man sich besser in Skandinavien aufgehalten hätte. Persönlich bin ich sowieso nicht der Fan von 40 und mehr Grad im Schatten und ja, ich liebe auch den Wechsel der Jahreszeiten. Sicher, es gibt schönere Orte als Deutschland, Mitte November, wenn es regnet und alles grau ist. Da möchte man schon manchmal fliehen. Aber ehrlich gesagt, ist es mir im Urlaub wichtiger, Dinge zu sehen, die mich interessieren oder eine spannende Wanderung in reizvoller Umgebung zu unternehmen, als faul in der Sonne rumzuliegen.
Unabhängig davon, denke ich schon, dass es nicht ganz schlecht ist, sich auch ein wenig im eigenen Land und in der näheren Umgebung umzuschauen. Als Jemand, der sich auch für die Geschichte und Politik interessiert, habe ich noch allerhand zu entdecken. Als Tipp würde ich hier einfach mal den Besuch in Mühlhausen, eines der Zentren des Bauernkrieges im 16. Jahrhunderts nennen. Hinsichtlich solches Wissens habe sicher nicht nur ich beträchtliche Lücken. Wenn man allein bedenkt, wie viele Westdeutsche es bisher noch nicht in den Ostteil des Landes geschafft haben…
Ich habe mir jedenfalls gestern am Schillerplatz für kleines Geld ein Buch über „Prag und Tschechien“ gekauft, um zukünftig noch das eine oder andere Highlight bei den Nachbarn zu erforschen. „Wozu in die Ferne schweifen, denn das Gute liegt so nah!“

Wir waren diesen Sommer in den Waldkarpaten / Bieszczady, auf polnischer Seite. Kann ich nur wärmstens empfehlen, wir waren wirklich beeindruckt von der sprichwörtlichen slawischen Gastfreundschaft. Und das Essen…