Einfach zum Kübeln
Man freut sich ja als alter Grünkernfresser (gestern gab’s bei uns zum Abendbrot Dinkelbrätlinge!) über jeden Baum und Strauch in unserer schönen betonierten (Innen)Stadt. Insofern las ich heut interessiert auch die Pressemitteilung der Stadt mit dem Titel „Ein Stück Grün mehr in der City!“ Die Ernüchterung ließ dann aber nicht lange auf sich warten: „Aus Anlass des „Internationalen Tages der Erde“ der Accor Gruppe am 22. April bepflanzen am Mittwoch, dem 21. April 2010, 10:00 Uhr, der General Manager des Pullman Dresden Newa, Helmut Apitzsch und der Leiter des Amtes für Stadtgrün und Abfallwirtschaft Detlef Thiel auf der Grünfläche entlang der Straßenbahntrasse fünf neu aufgestellte Betonkübel mit Blütengehölzen und ebenso die zum Hotel gehörenden Pflanzkübel am Hoteleingang und auf der Restaurantterrasse auf der Prager Straße mit immergrünen Pflanzen.“
Na super. Fünf neue Betonkübel und immergrüne (pflegeleichte) Pflanzen. Sicher, bei solchen Aktionen geht es in erster Linie um PR: „Tue Gutes und rede darüber“, doch das ist schon ein ziemlich starkes Stück, oder? Im weiteren Verlauf der Mitteilung freut sich der Pullmann-General-Manager Apitzsch “…Denn ihr enormes Engagement für die Umwelt haben die Mitarbeiter der Hotels Ibis, Mercure und Pullman in den letzten Jahren bereits mehrfach unter Beweis gestellt und insgesamt 36 Bäume an der Budapester Straße und am Georgplatz gepflanzt…”
36 Bäume in fünf Jahren, das macht einen Schnitt von 7,2 im Jahr. Auf wie viele Mitarbeiter eigentlich? Nicht, dass ich das grundsätzlich schlecht finde – es ist schon lobenswert, dass das Unternehmen überhaupt etwas in diese Richtung unternimmt – aber ein „enormes Umweltengagement“ hatte ich mir bisher eigentlich anders vorgestellt. Wie wäre es, wenn sich die Hotel-Mitarbeiter bei den nächsten Castor-Protesten einreihen? Oder sich mit ihren Schlauchbooten zwischen Wale und Fangschiffe „stellen“. Das wäre wirklich enorm.
Den Rest der PM zu zitieren, erspare ich mir – die Stadt hat offensichtlich direkt bei den Hotelbetreibern abgeschrieben. Da belobhudelt man sich selbst, dass die Schwarte kracht. Wie gesagt, wenig ist immer noch besser als nichts. Aber wenn die eigentliche „Großtat“ in der Medienwirksamkeit besteht, sollte man sich auf Kritik gefasst machen…
Tags: Beton, Blumenkübel, Hotelkette, Innenstadtgrün, medienwirksam, PR