Dresden schauen
Haben uns heute die Altstädter Seite der Waldschlösschenbrückenbaustelle angeschaut. Sehr „strange“ aber ich glaube, ich kapiere langsam, wie das funktionieren soll. Was dieses seltsame Pumpwerk nebenan soll, hab ich gar nicht verstanden.
Dann waren wir im Programmkino Ost bei „Interregnum 1991“, ein einstündiger Film über den baulichen Zustand Dresdens im Jahre 1991. Am Anfang dachte ich, ich muss sterben, denn der Film begann mit romantischen Zentrumsbildern und schwülstiger Klaviermusik von Schumann. Zum Glück hielt dies nicht an und es wurden die ganzen Ruinen gezeigt, so wie sie zum Ende der DDR und noch ein paar Jahre danach überall im Stadtbild zu finden waren. Darunter bekannte, wie die der Frauenkirche, von Taschenbergpalais und Schloss aber auch verfallende Häuser und Brachen in Löbtau, Friedrichstadt oder in der Neustadt. Das war echt erschreckend. Ich bin seit 1990 in der Stadt und habe viele dieser Stellen noch „live“ gesehen und trotzdem hatte ich vergessen, wie verheerend es hier aussah. Ich empfehle diesen Film unbedingt anzuschauen, um das Gedächtnis aufzufrischen. Die DVD gab’s gleich an der Kinokasse aber für 18,90 (!) Euro wanderte sie nicht in meinen Einkaufswagen…
Auf dem Heimweg mit dem Bus kamen wir wieder an den Protestplakaten auf der Grundstraße vorbei. Ganz schön finstere Geschichte, wenn man nach zehn Jahren eine Zahlungsaufforderung über etwa 10.000 Euro auf den Tisch bekommt, zu zahlen bis… Ganz abgesehen davon, dass die Anwohner der ausgebauten Grundstraße wahrscheinlich jedes Auto inklusive Dreck, Lärm und Gestank einzeln verfluchen.
PS: Seit heute weiß ich, dass die Anzeigen im Bus auf Windows-Basis laufen. Mr. Gates is everywhere…
PPS: Gesundes Neues Jahr an alle, die das Zeug hier lesen.
Tags: Ausbau Grundstraße, Interregum 1991, Waldschlösschenbrücke
Das Pumpwerk ist für Sitautionen, in denen plötzlich viel Wasser in die Kanalisation gelangt. z.B. bei Starkregen. Denn dort gibt es einen Elbeeinlass und dieser führte überflüssiges Wasser vom Altstädter Kanal ungereinigt ab.
Jetzt gibt es dort einen gigantischen Puffer mit Pumpwerk, der ein Überlaufen abmildern soll und somit alles Abwasser nach Kaditz schicken soll.
Besten Dank für die Aufklärung! Ich dachte, es sollen die Füße der Brückenüberquerer trocken gehalten werden :-)
“Interregnum 1991″ habe ich auch vor einigen Tagen mit meiner Frau angeschaut. Dabei haben wir den Altersdurchschnitt ordentlich in den Keller gezogen. Das Kino war ausverkauft und wenn man erst 15 Minuten vor Beginn der Vorstellung kam, war die Auswahl an guten Plätzen sehr begrenzt. Auch die Gespräche, die man hier und da beim Warten auf den Start des Filmes aufgeschnappt hat, waren einzigartig:
“So scheene bequeme Sessl ham di hier – die gibts nichmal im Deata”
Ich habe nur noch darauf gewartet, dass die Werbung auch entsprechend auf die “Kundschaft” zugeschnitten wurde (Lifta, Haftcreme, etc.) – war sie aber nicht – kam gar keine Werbung.
Schön zu sehen, dass man auch ältere Semester noch ins Kino locken kann. Auch mir als “Jungspund”, der zu dieser Zeit zwar ab und an auf Besuch in der Stadt war, dem damals in seinen jungen Jahren der Verfall jedoch überhautnicht aufgefallen war, hat der Film gefallen. Interessante Einblicke – auch wenn die “Musik” ab und an etwas nervig war. Fast schon erschreckend (größtenteils im positiven Sinn), wie sich eine Stadt in so kurzer Zeit verändern kann.
Grüße,
Torsten