Dresden im Februar
Ich bin ehrlich gesagt kein Freund von Demonstrationen oder überhaupt jeder Art von „Einreihung“ in eine Masse, egal für welchen Zweck die auf die Straße geht. Das hat wohl hauptsächlich mit meiner DDR-Kindheit zutun und dem meiner Reflektion über das Thema. Eines der wichtigsten Erlebnisse war eine Demonstration beim Pfingsttreffen der Freien Deutschen Jugend, bei der ich im „blauen Block“ mit Tausenden anderen Gleichaltrigen an der Partei- und Staatsführung vorbeizog. Kurze Zeit vorher hatten wir uns noch mit anderen Gruppen juvenile Parolenduelle geliefert Marke „Pirna, Pirna Hahaha“, als wir dann auf Tribünenhöhe waren, fing jemand an „DDR – unser Vaterland“ und Ähnliches zu brüllen und ich machte selbstverständlich mit auch wenn ich das eigentlich albern fand. Ich weiß nicht, ob jemand von Euch das schon mal passiert ist aber mir ist in Erinnerung geblieben, wie schnell ich zum Teil des Mobs geworden bin und das fand ich ziemlich schlimm.
Dies und die Angst davor von irgendwem für unlautere Zwecke manipuliert zu werden, sind die Hauptgründe für meine Demo-Allergie. Seit 1990 war ich vielleicht auf drei oder vier dieser Veranstaltungen, das letzte Mal bei der Anti-Nazi-Demo zum 13. Februar im vergangenen Jahr. Auf der „alternativen“ selbstverständlich, denn hinter Frau OB und Konsorten habe ich keine Lust, herzuziehen. Unbefriedigend empfand ich stets den „Symbolcharakter“ dieser Aktion. Vor ein paar Jahren gab es die Demonstration unter dem Titel „Gesicht zeigen gegen rechts.“ Wie soll man aber sein Gesicht zeigen, wenn man sich den Feinden der Demokratie nicht entgegenstellt? Was also nützt solch eine Demonstration, wenn man auf einer Route weit weg von den Nazis durch die Stadt zieht?
Ich habe auf der anderen Seite ein sehr großes Problem damit, wenn ohne Bedacht die Nazi-Keule geschwungen wird. Ich finde es auch bedenklich, wenn 15-Jährige zu Nazis gestempelt werden oder wenn der Kampf gegen die Rechtsextremen vor allem in Handgreiflichkeiten besteht oder gar in Polit-Hooliganismus ausartet. Auf der anderen Seite kommt man nicht nur mit Diskutieren voran. Gelegentlich muss man auch für seine Ideale auf die Straße gehen und den Pappnasen zeigen, dass sie in diesem Land eine Minderheit sind und wir uns von ihnen nicht auf der Nase rumtanzen lassen. Das ist einer der Hauptgründe, warum ich die Aktion „Dresden Nazifrei“ unterstütze. Auch wenn ich nicht glaube, dass wir irgendwann den Zustand erreichen, dass es keine Nazis mehr gibt. Das ist eine Illusion…
Das, was uns am 13. Februar wieder einmal erwartet, ist mehr als nur der Aufmarsch ein paar geistig Ver(w)irrter. Die meines Wissens größte europäische Demonstration hat sich zu einem Vernetzungstreffen der rechtsradikalen Szene entwickelt. Neben ein paar Spinnern aus der näheren Umgebung steht dann der harte Kern der rechten Szene auf der Straße und da gibt es wirklich keinen Zweifel daran, wes Geistes Kind die sind.
In diesem Jahr soll endlich der Aufmarsch blockiert werden. Deutschlandweit wird für die Aktion mobilisiert. Informationen dazu findet Ihr unter www.dresden-nazifrei.de. Wäre schön, Euch am 13. Februar zu sehen!
Tags: 13. Februar, Demonstration, Dresden Nazifrei, Naziaufmarsch
Mit dem Begriff “Nazi” sollte man ganz vorsichtig umgehen, er wird oft missbraucht. Bei mir gibt ’s dazu eine Story: “Wie man einen Nazi macht.” Selber bin ich von Immigranten auch schon als Nazi oder Faschist betitelt worden. Ist einfach so wenn man mit ihnen in Konfrontation kommt.
Das Volk, das allgemein als Neonazis bezeichnet wird, halte ich für hirnlose Spinner, die wahrscheinlich keinen Schimmer vom Nationalsozialismus und der jüngeren Geschichte haben. Man sollte ihnen nicht zu viel Aufmerksamkeit schenken, die fühlen sich durch Gegendemos und Polizeiabsperrungen nur gebauchpinselt. Sack über ‘n Kopf und gut durchgeklopft ist völlig ausreichend und lüftet noch die Hohlräume auf den Schultern durch.
…wenn das mit dem Blockieren nur so einfach wäre…siehe
http://blog.blechkopp.net/dresden/gemeinsam-blockieren-2240/
Meiner Meinung hilft da nur noch die schiere Masse. Obwohl ich da in Dresden skeptisch bin. Oft hat man in den letzten Jahren gesehen, dass sich gerade die Dresdner Bevölkerung nicht ganz so zahlreich zeigte, wie man sich das eigentlich gewünscht hätte.
Das ist wirklich ein Irrsinn, das musste ich sofort kommentieren.
http://www.dresdner-rand.de/polizei-im-einsatz-gegen-nazi-gegner/