#blogactionday: The Power Of We
Grundsätzlich bin ich ja eher pessimistisch eingestimmt. Als ich also das Thema des diesjährigen Blog Action Day „The Power Of We“ las, war ich davon nicht sonderlich angetan. Die „Kraft des Wir“, was soll das nun wieder bedeuten. Ich weiß, dass es die Aufgabe solcher Aktionen ist, Optimismus zu verbreiten und den Menschen Hoffnung zu machen. Persönlich fällt es mir jedoch immer schwerer daran zu glauben, dass sich mit der Menschheit etwas zum Besseren wendet. Trotzdem darf diese Sicht der Dinge nicht dazu führen, dass man einfach gar nichts tut. Deswegen habe ich mir vorgenommen, in der nächsten Zeit endlich einmal an einer Critical Mass Fahrt teilzunehmen. Für alle, die noch nicht wissen, was das ist, und welchen Sinn die Fahrraddemo hat, sei dieser Beitrag auf der ADFC-Seite zum Lesen empfohlen.
Der eine oder andere wird sich fragen, was das soll, mit dem Rad durch die Gegend zu kutschen und die Autofahrer zu behindern, ob man da nicht etwas Sinnvolleres tun könnte. Sicher gibt es auch größere Probleme, doch Critical Mass ist halt nicht nur albernes Cruisen durch die Stadt, sondern damit verbinden sich aus meiner Sicht Dinge. Zum einen ein gewisser anarchistischer Gedanke, weil das Ganze nicht organisiert ist. Es gibt keinen Chef und jeder macht das, was er für richtig hält. Damit die Aktion nicht nach hinten losgeht, müssen alle Teilnehmer verantwortungsvoll handeln, also zum Beispiel nicht alkoholisiert oder mit verkehrsgefährdendem Gefährt antreten, um das Anliegen nicht zu diskreditieren.
Zum anderen gefällt mir die Tatsache, dass sich die Fahrradfahrer, die sonst im städtischen Verkehr eher an den Rand gedrängt werden, das Recht nehmen, die Fahrbahn zu benutzen. Denn entgegen der Vorstellung vieler Autofahrer steht es den Pedalrittern zu und nicht zu vergessen: als Steuerzahler haben sie die tollen Asphaltschneisen auch mitfinanziert.
Zu guter Letzt bewirkt die Fahrraddemo (ich weiß gar nicht, ob man das offiziell so bezeichnen sollte, denn eine Demo muss angemeldet werden) einige Aufregung bei den Autofahrern und somit auch bei den Politikern. Die müssen sich dann zum Thema positionieren. Verbieten sie die Fahrt oder gehen sie auf die Anliegen der Radfahrer ein?
Dass ich die Critical Mass-Idee an sich für sinnvoll halte, wir sicher niemand verwundern, der hier regelmäßig mitliest. Zwar bin ich auch Autofahrer aber mindestens genauso oft schwinge ich mich auf mein Rad. Wie schon vor kurzem im Kampfradler-Beitrag dargelegt, finde ich, dass diesem gesunden und umweltschonenden Verkehrsmittel mehr Platz eingeräumt werden muss. Das gebietet einfach die Vernunft.
Die Critical Mass Fahrten finden an jedem letzten Freitag im Monat statt. Start ist 18.30h an der Lingnerallee.

Critical Mass ist eine sehr sinnvolle Sache, wenn man etwas Sinn für Sarkasmus hat: Es hat den Sinn, die Autofahrer möglichst maximal zu behindern und sich als Radfahrer dadurch so unbeliebt wie möglich zu machen. Vielen Dank, Critical Mass Dresden!
http://frankinformiert.wordpress.com/2011/05/02/critical-mass-dresden-kritik/
Klassische Autofahrersicht und nicht verstanden, worum es geht. Critical Mass will sich ja genau den Platz auf der Straße erkämpfen. Der Radverkehr wird an den Rand gedrängt, wer mit dem Drhtesel unterwegs ist, muss froh sein, wenn ihm ein bisschen Platz gelassen wird. Protest ist nur dann sinnvoll, wenn er auch weh tut. Wenn die Autos ganz normal vorbei fahren könnten, was wäre dann der Effekt???
Hier noch eine aktuelle Meldung zum Thema:
“Nur 452 Kilometer der Staatsstraßen (9,4 Prozent) und 606 Kilometer der Bundesstraßen (24,9 Prozent) in Sachsen sind mit Radverkehrsanlagen ausgestattet. Bei 7.212 Kilometern Bundes- und Staatsstraßen im gesamten Freistaat entspricht dies einer Quote von zusammen 14,6 Prozent. Zum Vergleich: Radlerinnen und Radler in Bayern können knapp 8.000 Kilometer Radwege entlang von Bundes- und Staatsstraßen nutzen. Das entspricht bei 19.900 Kilometer Staats- und Bundesstraßen dort einer Quote von 40 Prozent.
in den Jahren 2009 bis 2011 investierte Sachsen (4,1 Mio. Einwohnerinnen und Einwohner) für den Unterhalt, Aus-, Um- und Neubau von Radverkehrsanlagen nur 20,6 Mio. Euro. Im Jahr 2009 entsprach das 2,69 Euro pro Jahr und Einwohnerin bzw. Einwohner, 2010 waren es 2,77 Euro/Einw. und 2011 2,30 Euro/Einw..
In Rheinland-Pfalz (3,9 Mio. Einwohner) sind allein 2011 rund 11,4 Millionen Euro in den Bau von Radwegen an Bundes-, Landes- und Kreisstraßen investiert worden.”
“Die Wahrscheinlichkeit bei einem Unfall zu Tode zu kommen, ist für Radfahrende in Sachsen doppelt so hoch wie in Rheinland-Pfalz. Wer mehr Sicherheit im Radverkehr will, muss konsequent für mehr Tempolimits, häufigere Geschwindigkeitskontrollen und eine angemessene Ausstattung der Verkehrspolizei eintreten. Zudem darf die Staatregierung nicht die Verkehrserziehung bei Kindern und Jugendlichen zurück fahren”, fordert die Abgeordnete.”
Quelle:
http://goo.gl/1bJQu
Entschuldigung, aber zu “klassische Autofahrersicht” kann ich nur sagen: Blödsinn! Ich fahre innerstädtisch fast nur Fahrrad, im Winter ÖPNV und nur selten Auto (meine Frau genauso). Aber es ist auch für Radfahrer ganz gut, wenn man Straßenverkehr schon einmal vom Auto aus erlebt hat. Oder als Fußgänger, Skater, Kinderwagenschieber usw.
Ich habe “nicht verstanden, worum es geht” – aha, worum geht es denn? CM “will sich ja genau den Platz auf der Straße erkämpfen” – soso, Platz auf der Straße erkämpfen. In einer Gegend, wo Radwege vorhanden sind, will man sich Platz daneben auf der Fahrbahn erkämpfen? Klingt logisch.
Im Straßenverkehr sollte es für intelligente Leute eben nicht darum gehen, sich irgend etwas zu erkämpfen, sondern das Prinzip “Gegenseitige Rücksichtnahme” einzuhalten.
Dazu müsste CM aber zunächst mal als Protest erkennbar sein (Du hast meinen Artikel gar nicht gelesen, oder) und die Autofahrer müssten erkennen, wogegen oder wofür da eigentlich protestiert wird. Das ist alles nicht der Fall bei CM Dresden. Der Effekt dagegen ist ganz klar: Es entsteht schon wieder bei weiteren Autofahrern die Meinung, Radfahrer würden sich unmöglich verhalten und seien ein Störfaktor. Dabei trifft das nur auf die Wenigsten zu, aber CM erzeugt unsinnige neue Feindbilder.
Ich muss dann gleich zur Arbeit und werde dabei – wie jeden Tag – die Pillnitzer Landstr. entlang fahren. Das ist nicht optimal für alle Beteiligten, aber da sich ein Radweg* dort platzmäßig schlecht unterbringen ließ, müssen alle (Radfahrer, Bus- und Autofahrer) damit leben. Und das funktioniert. Nicht mit “sich wehtun” oder “kämpfen”, sondern mit gegenseitiger Rücksichtnahme.
(* Wenn wir dort einen Elbetradweg hätten, wäre es besser, aber das ist ein anderes Thema http://frankinformiert.wordpress.com/2012/10/14/wie-geht-es-weiter-mit-dem-dresdner-elberadweg/)
Nachtrag zu Deinen Statistik-Sachen: Ja, und was sagt mir das jetzt? Werden in Dresden zu wenige Radwege gebaut? Ausgerechnet in unserer Innenstadt sieht es in der Beziehung eigentlich gar nicht so schlecht aus. Und CM lehnt Radwege ja sogar ab. Denn das was Du selbst zitiert hast, der “Radverkehr würde an den Rand gedrängt” bezieht sich genau auf die Haltung einiger CM-Leute. Die lehnen Radwege nämlich sogar ab, weil man damit als Radfahrer ja “an den Rand gedrängt” bzw. “weggesperrt” würde. Und insofern kann ich mich nur selbst zitieren, CM möge sich doch bitte zunächst mal überlegen, was sie eigentlich konkret wollen.
Gut gebrüllt, Frank
Fakt ist aber, dass unsere Städte, so wie sie heute sind, für das Auto gebaut sind.
Die CM-Sache ist eine Seite, das was die Grünen wollen, die andere. Wie die perfekte Lösung aussieht, weiß ich nicht. So wie’s derzeit ist, kann es aber nicht weiter gehen. Radfahren ist gesund und umweltschonend, Autofahren nicht. Punkt.
Mich erinnert das Ganze an die unselige Rauchverbotsdiskussion. Rauchen ist eine schädliche Sucht. Es ist gestattet, dieser Sucht nachzugehen, das heißt aber nicht, dass es normal ist, zu rauchen. Nicht die Nichtraucher müssen sich ändern, sondern die Raucher. Das lässt sich 1:1 auf die Straße übertragen, wobei sicher das Auto als Transportmittel in Punkto Nützlichkeit das Rauchen übertrifft. Es wird auch sicher nie ohne (wie auch immer angetriebene) Autos gehen, es sei denn, wir kommen zurück zum Pferdewagen oder Eselskarren. Aber unsere derzeitige Form der Mobilität ist grundfalsch und wird sich ändern müssen. Da bin ich ganz Verkehrsfaschist und lasse keine andere Meinung zu.
Übrigens bin ich ein bigottes Arschloch. Ich fahre nämlich auch Auto. Aber immer mit schlechtem Gewissen.
Ich bin da eher bei Frank. Was mich am besonders nervt, ist diese Selbstverständlichkeit, mit der man sich auf § 27 der StVO beruft, so mancher Radler aber nicht mal mehr das “rechts-vor-links” beherrscht.
Es ist eben die große Chance, es DEM Feind heimzuzahlen für all das erlittene Unrecht. Ich bin selbst Radfahrer und achte ausdrücklich auf Regeln: für mich gelten rote Ampeln, ich fahre nur auf Gehwegen, auf denen ich muss – und im Umkehrschluss nicht auf solchen, die neben Straßen liegen, die für mich unbequem zu befahren wären – dafür aber rein den Fußgängern vorbehalten sind (prominentes Beispiel Augustusbrücke). Ich achte auf die vorgeschrieben Fahrtrichtung (auch wenn das manchmal Umwege zur Folge hat), habe nachts Licht an, gebe Vorfahrt und warte auch mal, wenn ein Auto rumrangiert.
Warum ich das tue??? Weil es genau das ist, was ich von allen anderen Verkehrsteilnehmern auch erwarte: das Einhalten von Regeln. Und weil ich denke, dass ich auch mit richtigem Verhalten “Druck” aufbauen kann.
Natürlich sind lokal “bescheuerte” Regelungen anzutreffen – aber was, wenn irgendwann Autos anfangen, bei rot zu fahren, weil ja gerade kein Fußgänger kommt – und sich von der Ampel sinnlos gemaßregelt fühlen?
Mich nerven inzwischen mehr die Radfahrer, die mit einer Selbstverständlichkeit in der falschen Richtung auf dem Radweg rumgurken als Autofahrer, die eben manchmal den Schulterblick vergessen. Von der Häufigkeit des Auftretens des Fehlverhaltens ist der verkehrte Radfahrer nämlich mit mindestens 500:1 einzuordnen…
Dieses “natürlich ist es illegal, aber ich werde ja dazu gezwungen” ist Quark. Man sollte nur das von anderen fordern, was man selbst einhalten kann. Und Verkehr in der Stadt ist an Regeln gebunden und schränkt den Einzelnen dadurch auch mal ein – aber nur so kann es funktionieren.
Der Anteil der Radler, der ohne Schutzstreifen o.ä. auf der Fahrbahn einer Hauptverkehrsstraße fahren WILL, ist tatsächlich der eher geringere. Radfahrer sind keine homogene Gruppe, sondern haben verschiedenste Ansprüche an eine Radfreundliche Stadt.
Die Autofahrer sind die Bösen. Ihre Zeit ist vorüber! Amen!
Mal ganz im Ernst. Ich bin es leid, den Status Quo zu kommentieren. Die Zeit des privaten Autos, in dem einer bequem von A nach B kutscht, ist abgelaufen und umso früher wir das kapieren, umso besser. Es geht nicht um gut und böse, Rücksicht nehmen und den ganzen Muschebubu, sondern darum, die Weichen für die Zukunft richtig zu stellen. Wir werden uns daran gewöhnen müssen, dass in der Zukunft Transport und Mobilität nicht mehr mit der privaten Blechschleuder organisiert sind. Vielleicht dauert es noch zehn Jahre oder 50, bis der Letzte das begriffen hat aber es führt kein (Rad)Weg dran vorbei.
http://goo.gl/kCYDJ
https://www.econitor.de/magazin/mobilitaet/auto/die-wahren-kosten-der-pkw-nutzung_4675.html
@E-Haller
und dann bei entgegenkommenden Radlern auch noch nach links ausweichen, statt nach rechts.
@admin:
Also, ich wage mal zu behaupten, dass das unrealistisch ist. Auch wenn man es als anstrebenswertes Ziel betrachten könnte.