Dresdner|Rand

Dresden vom Rand her betrachtet.

Bus und Bahn kommt schlecht an

Seit einiger Zeit wird auf der Straße zwischen Gönnsdorf und Pappritz gebaut – hier soll direkt vor dem Supermarkt eine neue Haltestelle entstehen. Die Ampel an der Baustelle ist sicher bei vielen Anwohnern “beliebt”, am Wochenende von Freitag 14 bis Montag 4 Uhr soll es gar eine Vollsperrung geben. Heute morgen wurde ich an der Bushaltestelle Zeuge, wie über diese Maßnahme diskutiert wurde. Grundtenor war in etwa „Das geht garnicht! Wie sollen wir unsere Einkäufe erledigen? Was machen die denn da überhaupt? Die wollen uns doch nur ärgern.“ Ehrlich gesagt, verwundert mich diese Reaktion schon etwas. Geht man mal davon aus, dass die Sperrung notwendig ist, so ist das doch besser, solche Sachen passieren am Wochenende als mitten in der Woche. Zum einen, weil all diejenigen, die zur Arbeit müssen, nicht über Gebühr belastet werden, zum anderen weil auch – bis auf die Gastronomen – die ortsansässigen Gewerbetreibenden davon profitieren. „Jedem Menschen Recht getan, ist eine Kunst die keiner kann“, sagte schon meine Großmutter und wo sie Recht hatte, da hatte sie einfach Recht.
Aufgefallen ist mir aber schon seit langem, dass die Dresdner ein sehr gestörtes Verhältnis zu ihrem öffentlichen Nahverkehr haben. Nun meckert der Sachse an sich sehr gern und es gibt auch immer wieder Gelegenheiten, sich über unhöfliche Fahrer, verpasste Anschlüsse etc. zu ärgern aber ernsthaft betrachtet, haben wir in Dresden einen recht guten ÖPNV (zu gut deutsch: Öffentlicher Personennahverkehr).
Ich habe aber bisher nicht nur einmal gehört, dass ein verärgerter Bürger die hiesigen Verkehrsbetriebe als „Staat im Staat“ schalt. Persönlich stecke ich da zu wenig drin, mir ein Urteil zu erlauben – klar ist natürlich, dass die DVB als kommunaler Betrieb eng mit der Lokalpolitik verwoben sind – schließlich sind Verkehrsfragen auch soziale Fragen. Persönlich empfinde ich die Kritik aber häufig als ungerecht – wenn es das gute Netz nicht gäbe, wären noch viel mehr Autos auf der Straße. Und das kann ja letztendlich auch niemand wollen, oder?

PS: Ja, ich bin Verfechter des ÖPNV. Das hat vor allem „ideologische“ Hintergründe, nicht weil ich denke, dass es so toll ist, an einem Montagmorgen im Bus mit vielen anderen Leuten zu sitzen, die noch Bettwärme ausströmen und lieber schliefen, als sich auf den Weg zur Arbeit zu machen, die miese Laune haben etc. Im Auto ist es sicher bequemer, ich kann meine Musik hören usw. Aber der gesellschaftliche Preis des motorisierten Individualverkehrs ist mir einfach zu hoch. Ständig steigt der Bedarf an Straßen, auch neue Autos verpesten die Luft. Ganz zu schweigen, von der Energie und den Rohstoffen, die in so einem Auto stecken und der Menge an persönlichen finanziellen Mitteln, die dadurch gebunden werden. Wir haben ein Auto, mit dem meine Frau täglich nach Radeberg zur Arbeit fährt und das reicht auch aus. Ein weiteres Fahrzeug können und wollen wir uns nicht leisten. Wenn nur die Hälfte der Menschen auf ein Stück Bequemlichkeit verzichten würde, wäre allen geholfen. Und der ÖPNV wäre sicher auch attraktiver, schon allein, weil die Busse nicht mehr so oft im Stau stünden.

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Posted in Dresden streitet and Dresden verkehrt 10 months, 3 weeks ago at 09:48. 28 comments

28 Replies

  1. PS:
    genau meine Meinung……..

    wenn es geht fahre ich auch gerne mit Bahn+Bus von DD-WX nach DD-Flügelweg…….

    aber 4,10 Uhr erste Bahn ist echt zu spät,um 4,45 Uhr das Tor für die Kunden aufzuschließen bei 1h Fahrzeit…

    also Frau mit DVB ,ich mit Auto odda Mopped……..

    grussi……….

  2. Ist natürlioch nicht für alle und immer sinnvoll den ÖPNV zu benutzen, das ist schon richtig. Wenn ich allerdings zur Hauptzeit die Unmassen an Autos sehe, in denen nur Einer oder Eine sitzt… Wenn die wenigstens Fahrgemeinschaften bilden würden, wäre allen geholfen.

  3. dd-jazz Oct 14th 2009

    Es gab mal eine leider unrealistische Vision (Alternative) des Arbeitsplatztausches in unmittelbare Wohn- und Lebensumgebung-
    Meinereine radelnd oder zu entspannten ÖPNV- Zeiten unterwegs, bzw. bis kürzlich pendelnd bei Schlechtwetter zwischen Rdbl.West-DD.Nstdt..
    Hinterfragenswert finde ich die Begründung, weshalb die DVB die maroden? Gleisbetten erneuern müsste, weil die Tram jetzt deshalb unter 50h/km fahren muß, aber als Alternativ- Angebot zum Autoverkehr rein rechnerisch innerstädtisch genauso schnell wie ein PKW sein müsste..(zwischen den glücklicherweise so kurzen Haltestellenbereichen??)
    Gemäß dem Film “Koanisquatsi”? Beschleunigung hilft keineswegs einer angestrebten Entspannung und ich habe schon ein comicaftes Szenario vor mir..#
    Respekt und Mitgefühl allen “Mit-Leidenden”- von Einer, die sich nicht einmal mehr über die Meckerer aufregen will, wobei meine Schmerzgrenze erschreckend reflexartig bei “wortunkundigen Rammlern und Dränglern” sinken kann und ich mich beispielgebend um ein umgebungsfreundlich- humorvolles Miteinander bemühe-(sehr schöne Trailer hat die DVB dafür)
    Und die ewig-gestrigen Meckerer und Nörgler (im hiesigen Dialekt besonders peinlich unüberhörbar vor begeisterten Touristen) müssten mindestens eine Woche in den maroden Verkehrsmitteln anderer Städte straf-mitfahren- non stop!!

  4. Oh bist Du grausam! :-)

    Eigentlich finde ich, sollten sich die Leute nicht ständig über den ÖPNV aufregen, sondern auch durch die Wahl der richtigen Politiker ihn verbessern.
    Dass der ÖPNV nicht frei von der Politik sein kann, ist klar, schließlich handelt es sich um kommunale Unternehmen. Ein rein privat geführter, wirtschaftlich orientierter Nahverkehr als Alternative könnte sicher nicht so umfänglich die notwendigen Transportaufgaben erfüllen.
    Dass es immer wieder Tendenzen gibt, den ÖPNV zugunsten des MIV (motorisierter Individualverkehr) zu beschneiden, ist sicher Jedem schon mal aufgefallen. Wie gesagt, letztendlich bin ich überzeugt, dass Autofahren in Zukunft immer mehr zum Luxus wird und damit das Interesse am ÖPNV steigt. Wohl dem, der dann nicht erst wieder anfängt, Bus und Bahn aufzubauen. Vielleicht geht im Zuge dieser Entwicklung auch die Beschleunigungssucht etwas zurück.

  5. Ich fahre zu selten mit Bus&Bahn und kann die Qualität also schlecht beurteilen. Die wenigen Fahrten die ich mit den öffentlichen Verkehrsmitteln machen durfte waren in Ordnung (bis auf…nunja…andere Geschichte…).

    Die meisten Strecken die ich in Dresden zurücklege bewältige ich mit dem Fahrrad. Wenn jemand über den schlechten Ausbau bestimmter Verkehrswege jammert, dann soll der mal aufs Fahrrad steigen. Wundert mich nicht, warum es in Dresden vergleichsweise wenig Radfahrer gibt. Die Radwege Dresdens kann man in ihrer Gesamtheit nur als Flickenteppich bezeichnen. Wenn wenigstens beim Neu- und Ausbau von Straßen an die Radler gedacht werden würde – Fehlanzeige – lieber noch 1-2 Spuren mehr für die Autofahrer…

    …nicht falsch verstehen, ich fahre selber ab und an Auto. Aber wenn man es nicht schafft einen Teil des Berufsverkehrs (zumindest den, wo die Strecke bis zum Arbeitsplatz mit dem Fahrrad machbar ist) von der Straße wegzubekommen, wird sich hier in naher Zukunft nichts an der Verkehrssituation ändern – zumindest nicht zum Positiven.

  6. dd-jazz Oct 14th 2009

    Japeau!..andererseits grauste es mich in der (Pardon: egozentrischen) Vorstellung, mich plötzlich nur noch in einem genormt- augebauten Fahrradkonvoi bewegen zu können (ergo: je besser die Radwege innerstädtisch (unbedingt) + links-rechtselbisch ausgebaut werden, um so mehr Rad-Touristen-Gruppen nerven mich nicht nur wochenendlich elbauf-abwärts)-
    Außerdem berechtigt es dann schreckensgleich zum Einsatz der Fahrrad-Polizei wie sie schon in Hamburg unerbitterlich eingesetzt wird-
    Oh wie schön ruhig verklärt sich schon jetzt die Radtour von DD nach Hamburg auf unausgebauten und dennoch befahrbaren Wegen–Außerdem verführen glatte Radwege zum Rasen und ich gestehe die Schadenfreude, als sich letztlich ein RadRaser auf einem “Spazierweg” “selbst überholte”- )die Typen hörst man leider heraneilen, weil sie so unverschämt schnell sind) Allerdings war der Trupp leider durch Aerodynamische Helme und Schutzkleidung geschützt- die langsam um die Ecke kommende Mutter mit Kinderwagen nicht-
    quasi Nahverkehrs-Krieg! Ich erstaune immer wieder, wie tolerant und individuell sich in der Neustadt Fahrrad fahren lässt (lassen muß, denn Radweg- Ausbau quasi ausgeschlossen und deshalb eine Übung tolerant- geschulter Eigenverantwortlichkeit- Nun gut, als mich einmal ein Auto von hinten drängelnd anschubste, hätte ich ihm gern an der nächsten Ampel entstauend einen Eimer voller Eiswürfel in das offene Fenster geschüttet-(war tiefergelegtes PIR- Kennzeichen, sosnt wäre ich wirklich erschüttert gewesen)-

  7. dd-jazz Oct 14th 2009

    sorry, Rad-Raser überhort man leider..

  8. Die optimale Lösung für alle wird’s wohl nie geben – bessere Radwege wären aber schon nicht schlecht. Und vielleicht auch ein Radführerschein, denn eigentlich sollte ja jeder Verkehrsteilnehmer den $1 kennen, oder?

  9. dd-jazz Oct 16th 2009

    Ich verweise auf den Artikel ‘ Polzizei zieht Straßenbahn aus dem Verkehr’ vom 16.10.2009 auf http://www.sz-online.de nachzulesen..

  10. dd-jazz: “innerstädtisch genauso schnell wie ein PKW” – Haha, klar. Das muss unbedingt sein. Vor allem, weil PKW bei vielen Haltestellen ebenfalls anhalten müssen.

    Ich las vor Kurzem erst, dass die fehlende Geschwindigkeit in Wiener Tramlinien ähnlich “problematisch” wäre. Scheint ein europaweites Problem zu sein, dass Straßenbahnen keine Dragster sind. Zum Glück für die Fahrgäste.

    Die scheinen ja sowieso das größte Problem zu sein, wenns um Geschwindigkeitsgewinn geht. Ohne Aus- und Zusteigende könnten Busse und Bahnen ungestört zwischen A und B verkehren.

  11. Richtig. Gäbe es die Fahrgäste nicht, wäre der ÖPNV richtig attraktiv ;-)

    Und auf die ganze Stadt bezogen fährt kein Auto eine Durchschnittsgeschwindigkeit von 50. Das halte ich für ein Gerücht.

  12. Apropos “Fahrrad-Polizei”:

    Vom Hörensagen weiß ich, dass es denjenigen 15 Euro kostet, den die kontrollierende Polizei beim auf der ‘falschen’ Rad|Fußwegseite radeln erwischt. Mit der Begründung, da würden “schlimme Unfälle” passieren.

    Das ist noch nach Überwachungskameras noch so eine Maßnahme “zu Ihrer Sicherheit”, bei der ich ziemlich sicher bin, dass sie nur Geldschneiderei ist. Die sollten die Brücke sanieren und nicht die Menschen kriminalisieren, denen es zu doof ist, zweimal die vielbefahrene Straße zu überqueren, wenn Start und Ziel (z.B. die Sparkasse) auf der gleichen Seite liegen.

    Und jetzt mal ehrlich: Was für mistige Radler müssen das sein, die auf einer geraden Strecke zusammenkrachen? Wozu gibt es denn Augen?

  13. Ähm… “den die kontrollierende Polizei auf der Albertbrücke [...] erwischt”

  14. Wo Du wahr hast, hast Du wahr…. :-)
    Ich musste zum Glück noch nicht zahlen, da ich auch noch nicht erwischt wurde. Übrigens: Haste das schon gesehen http://www.dresdner-rand.de/priesnitzgrund-soll-strasse-werden/?

  15. “Sorry, Rad-Raser überhort man leider.” – Das leise Surren der Radprofile ist ein Hinweis. Wir liefen mal mit Freundin und zwei Kleinkindern am Elberadweg (neustadtseitig) entlang und durften uns von vorbeirasenden alten Männern auf Rennrädern den Spruch “Hunde an die Leine!” anhören. Vermutlich, weil wir die Kinder nicht durchs hohe Gras neben dem Weg getragen haben.

  16. Dabei macht das wochenendliche Wandern im Prießnitzgrund der Radfahrer wegen schon jetzt kaum Spaß.

  17. dd-jazz Oct 16th 2009

    ..mein Kommentar war HUMORIG-IRONISCH gemeint (schreibe es demnächst extra dazu-lol) und die Info zur “notwendig kunkurrierenden Attraktivität DVBAG vs. PKW ” erklärte mir ein Journalist (allerdings nach 3 GinTonic..)-

  18. Eine Durchschnittsgeschwindigkeit von 50km/h wurde aber bei der Straßenbahn auch nicht vorausgesetzt. Das ist die Spitzengeschwindigkeit, die zwischen zwei Haltestellen erreicht werden kann. Ausnahme: auf eigenem Gleisbett können es wohl mal 70km/h sein.

  19. dd-jazz Oct 16th 2009

    @henteaser: die Trainingsbesessenen ( der Begriff Radler wäre unpassend) haben meistens KEIN hörbares Profil (zumal die Umgebungslautstärke variiert), hingegen über das Surren von herannahenden MountainbikeReifen und den durchaus überwiegend attraktiven Rück- Ansichten erfreue ich mich jedes Mal..#
    solch` unverschämten Sprücheklopfern wünschte ich unsichtbare Poller..aber: Radler vs. Radler vs. Autofahrer vs. Autofahrer vs. per pedes vs. Radler..- ich laß alle mal vor..und mein Lächeln wird 90% erwiedert-

  20. Ironie-tags wären nett. ,) Na, ich hab das schon verstanden. Obwohl das ewiggestrige Nörgeln und Meckern anscheinend ansteckend ist. Ich bin vor zwei Jahren von Radbeul nach DD umgezogen (Was für’n Aufstieg!) und ärgere mich schon wie ne richtige Oma über Brückenbau und ÖPNV-Kleinigkeiten.

  21. dd-jazz Oct 16th 2009

    ..obwohl ich in der glücklichen Lage bin, im Preußischen Viertel/ Grenze Äußere Neustadt mit Prießnitz im Garten und vielen Bäumen zu wohnen (im Winter nutzen “die Neustädter ” tumultartig ungefragt den Haus-und Gartenzugang zum Eislaufen..), werde auch ich mich gegen den Ausbau des PrießnitzgrundWeges solidarisieren!! Danke für den Hinweis! Als mir von dem Vorhaben vor Monaten berichtet wurde, hielt ich es für einen makaberen Scherz!!

  22. Ja leider ist es das offensichtlich nicht. Manchmal könnte ich hingehen und den Verantwortlichen eins mit dem Knüppel überziehen…

  23. @henteaser: “und ärgere mich schon wie ne richtige Oma über Brückenbau und ÖPNV-Kleinigkeiten…”

    Das liegt am übermäßigen Eierschegge-Konsum :-)

  24. dd-jazz Oct 16th 2009

    da ich hilflos das “Mahnmal Waldschlößchenbrücke” (nein, das ist kein neuerlicher Diskussionsimpuls) nicht mitverhindern konnte, knüppel ich (Pazifistin) kurz vor der Ohnmacht gegen die Macht leidenschaftlich gern mit (denn wer mit unsäglich- dummer Ignoranz Gewalt gegen Natur + Mensch schafft, muß mit Gegenwehr rechnen- Aikido hilft hier leider nicht..)

  25. Du schreibst immer ganz schön komplizierte Sätze :-)
    Aber ich hab verstanden, dass ich Dich anrufen kann, wenn’s losgeht.

  26. dd-jazz Oct 16th 2009

    naja, ich bin eben “typisch Frau” und bewunder mich schon selbst für den Kommentar-Mut zwischen all` den verkehrstechnisch – kompententen Männern.
    Bemühe mich um respektvolles Schweigen-LOL

  27. So war’s doch garnicht gemeint. Und wer behauptet denn, Männer hätten mehr Ahnung vom Verkehr… Ups!

  28. Noch zum Nachtrag: Am 1. November erhöht der VVO (mal wieder) die Preise. mal sehen, was die Monatskarte dann kostet…


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