“Von den am 31. Dezember 2010 mit Hauptwohnung in Dresden gemeldeten 517 168 Einwohnern konnte bei 37 115 (7,2 Prozent) ein Migrationshintergrund abgeleitet werden. Den größten Teil dieser Gruppe bilden die Ausländer mit 4,1 Prozent der Dresdner Gesamtbevölkerung.”

Quelle: dresden.de

Deutsches Statistik, tolles Statistik…
Da wird wieder ganz exakt zergliedert und klassifiziert. Ist mir eher unangenehm…

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13 Comments

  1. Ist mir auch aufgestoßen. Ich warte jetzt auf die Statistik, wieviele Christen, Muslime und Juden (und davon wieviele Halb-, Viertel- und Achteljuden) in Dresden wohnen.

  2. Wo ist das Problem? Es werden doch nur Zahlenwerte aufgelistet, alles völlig neutral und wertungsfrei.

  3. Na ich stimme da mit Happe überein. Das hat was von den Nürnberger Gesetzen. Viertelausländer, Halbausländer etc. Frage mich, was das soll. Ich bin besser als du, weil ich zu drei Vierteln deutsch bin und du nur zur Hälfte. Oder so…

  4. Ich hatte vor einigen Jahren mal einen dänischen Kollegen. Für den war es ganz interessant, aus einer ähnlichen Statistik zu erfahren, wie viele andere Dänen außer ihm noch in Dresden leben. Eine Bevölkerungsstatistik, welche aus irgendwelchen Gründen keine Aussage über die Herkunft enthielte, hätte ihm nicht viel genutzt.

    Wenn in einer Statistik erfasst würde, wie viele zugezogene Neudresdner aus welchen anderen deutschen Städten oder Bundesländern stammten, wäre das doch genauso wertungsfrei und problemlos. Ich verstehe das Problem wirklich nicht.

    Obiger Statistik unterstellt z.B., dass es wichtig ist, dass jemand, der im Iran geboren wurde, sich von mir unterscheidet.

    Nö. Dass diese Unterscheidung wichtig sei, unterstellt das nicht. Bei Statistiken unterscheidet man Dinge nach allen möglichen Kriterien. Wichtig sind diese Unterscheidungskriterien aber immer nur für und innerhalb dieser Statistik. Außerhalb dieser Statistik darf man all diese Unterscheidungen trotzdem als völlig belanglos einstufen. Wenn ich z.B. in meiner Straße zählen würde, wie viele Alteingesessene und wie viele Zugezogene hier leben, wäre das für ein paar Wenige vielleicht mal ganz interessant, aber es würde sich dadurch nicht für alle hier Lebenden eine Wichtigkeit ergeben, Leute so zu unterscheiden.

    Dass mein Nachbar, der zur selben Zeit wie ich, im selben Krankenhaus wie ich geboren wurde auf viel krassere Art anders ist, als der Iraner …

    … das zu beschreiben, ist gar nicht die Aufgabe dieser Statistik. Wenn eine Statistik Menschen nach der Kategorie X (Herkunft, Beruf, Alter, sonstwas …) unterteilt, dann hat diese Statistik nicht die Aufgabe, mit zu erwähnen, dass der mit erfasste Herr Müller aber noch viel krasser anders ist, weil er immer so laut DJ Ötzi hört ;-)

    … wird durch obige Statistik aber negiert.

    Negiert wird da ebenfalls nichts. Dein Nachbar ist für diese Statistik einfach nur in der Hinsicht von Belang, dass er zu den 92,8% ohne Migrationshintergrund gehört. Inwieweit die Personen der einzelnen Kategorien sich dann sonst noch unterscheiden, ist hier uninteressant. Mal als Beispiel (Zitat aus der Pressemitteilung):

    Von den 16 133 Deutschen mit Migrationshintergrund konnte bei 7 389 der Bezug zu einem Land der ehemaligen Sowjetunion ermittelt werden.

    Dass diese Russlanddeutschen sich trotz dieser gemeinsamen Eigenschaft durchaus individuell sicher sehr unterscheiden, wird durch diese rein statistische Aussage ebenfalls nicht negiert. Die Zahl ist doch trotzdem mal ganz interessant.

  5. Nanu, wieso steht mein Kommentar über dem von Torsten? Ich habe es doch später geschrieben … Jedenfalls sollte es die Antwort darauf sein.

  6. Statistik, so wie ich sie verstehe, ist nicht neutral und wertungsfrei. Schon durch die Wahl quantitativ vs. qualitativ werden bestimmte Vorannahmen verstärkt. Dadurch ist Statistik m.E. durchaus ein regulatives und somit ein Macht-Instrument.

    Obiger Statistik unterstellt z.B., dass es wichtig ist, dass jemand, der im Iran geboren wurde, sich von mir unterscheidet. Dass mein Nachbar, der zur selben Zeit wie ich, im selben Krankenhaus wie ich geboren wurde auf viel krassere Art anders ist, als der Iraner wird durch obige Statistik aber negiert.

  7. Im Interesse eines ausgewogenen Verhältnisses zwischen Verworrenem und Nicht-Verworrenem beantrage zunächst, dass mein Kommentar über dem von Frank erscheint ;)

    @ Frank:
    >> Obiger Statistik unterstellt z.B., dass es wichtig ist, dass jemand, der im Iran geboren wurde, sich von mir unterscheidet.

    >Nö. Dass diese Unterscheidung wichtig sei, unterstellt das nicht.

    Wenn sie nicht wichtig ist, wieso wird sie dann getroffen? Andersherum: Warum gibt es von der Stadt Dresden keine Statistik darüber, wieviele Dresdner Sommersprossen haben? Meine Vermutung: es ist nicht wichtig.

    Obige Statistik ist wichtig um Fremdheit zu reproduzieren. Das wiederum ist wichtig um Vertrautheit (mit dem Nicht-Fremden) herzustellen. Mit anderen Worten: über Statistiken, wie die obige, wird versucht festzulegen, wer in welchem Maß zu wem gehört. Sie hat eine ordnende Funktion.

  8. @ Torsten:

    Wenn sie nicht wichtig ist, wieso wird sie dann getroffen?

    Frag doch einfach mal bei der Stadt an (geht ja heute per Mail genauso einfach, wie einen Blog-Kommentar zu verfassen), warum diese Erhebung seit Jahren gemacht wird? Wie wahrscheinlich auch in -zig anderen Städten …

    Obige Statistik ist wichtig um Fremdheit zu reproduzieren

    Entschuldigung, aber: So ein Blödsinn! Das betrifft auch alles nach dem zitierten Satz.

    Aber gut, meinetwegen … denken wir die Sache mal zu Ende: Eine Untersuchung darüber, wie sich der Bevölkerungsanteil einer Stadt hinsichtlich der Herkunft ihrer Bewohner zusammensetzt, ist politisch nicht korrekt und gehört deshalb verboten! Denn sie fördert ja irgendwie die Fremdenfeindlichkeit. Und wer so etwas trotzdem untersucht oder entsprechende Ergebnisse sogar interessant findet, ist fremdenfeindlich. Also ein Nazi.

  9. Recht habt Ihr beide irgendwie. Im Prinzip ist es nicht schlimm, dass es solch eine Statistik gibt. Und sicher existieren ja auch (kulturelle) Unterschiede zwischen einem Iraner, einem Russen, einem Polen oder einem Deutschen. Die nackten Zahlen sagen da erstmal nichts weiter aus, entscheidend ist die Wertung bzw. was man dann daraus macht. Wenn z.B. solch eine Untersuchung dazu führt, festzustellen: Wir brauchen bezahlbare, niedrigschwellige Angebote, die den Migranten helfen Deutsch zu lernen, dann ist das ja keine schlechte Sache, oder?
    Andererseits habe ich selbstverständlich auch einen gewissen Vorbehalt gegen die Art der Untersuchung. Jemand der hier in Deutschland geboren ist und den deutschen Pass hat, ist zweifelsohne Deutscher. Ist dann noch interessant, ob er einen “Migrationshintergrund” hat? Oder ob er Viertel- oder Halb-”Ausländer” ist? Diese Art von Exklusion führt wohl auch dazu, dass sich diese Menschen im Lande nicht wohl fühlen.
    Ein Kochrezept, wie’s besser geht, habe ich nicht. Entwicklungen wie Rütli-Schule &. Co. könnten dafür sprechen, solche Unterscheidungen zu machen aber ich denke, das ist einfach der falsche Weg, weil Bildungsniveau und soziale Stellung höchstwahrscheinlich viel prägender sind. Die z.B. türkische Herkunft spielt sicher eine Rolle als eine Art mentaler “Zufluchtsort”, bei Zukunfts- und Versagensängsten. Man idealisiert sich halt das Herkunftsland, wenn man hierzulande keine Zukunft sieht.
    In einem konkreten Leben spielen halt viele Dinge rein, über die eine Statistik an sich nichts aussagt. Ich teile allerdings ein ganzes Stück weit Torstens Misstrauen, dass die Zahlen vor allen Dingen dazu genutzt werden, Unterschiede zu zementieren, anstatt Probleme zu beheben und tatsächlich “integrativ” zu wirken.

    PS: Die Nazikeule bitte wieder einpacken!

  10. ist ja schon ein weilchen her, trotzdem noch zwei worte.

    @ frank:

    >> Eine Untersuchung darüber, wie sich der Bevölkerungsanteil einer Stadt hinsichtlich der Herkunft ihrer Bewohner zusammensetzt, ist politisch nicht korrekt und gehört deshalb verboten!

    Vielleicht erledigt sich das ja irgendwann von selbst. Ähnlich wie die Statistiken über den Anteil von bi- und homosexuellen oder sexuell verwahrlosten Personen in der Bevölkerung.

    @ random:

    >>> Und sicher existieren ja auch (kulturelle) Unterschiede zwischen einem Iraner, einem Russen, einem Polen oder einem Deutschen

    Kulturelle Unterschiede existieren m.E. nicht per se, sondern werden erzeugt z.B. durch obige Statistik oder andere soziale Praxen. Ein prima Stichwort dazu ist “doing culture”.

  11. Die Lokalpolitik einer Großstadt wie Dresden muss sich immer an Interessengruppen orientieren. Um zu wissen, welche Größe und Bedeutung diese Interessengruppen haben, muss man sie natürlich statistisch erfassen.

    Dabei gibt es unterschiedliche Kategorien. Keine beschreibt die Lebenswirklichkeit perfekt. Aber für die praktische Politik müssen Näherungen genügen, wie in den folgenden Klammern (die Beispiele sind rein willkürlich, es gäbe viel mehr Möglichkeiten):

    [Heteras, Heteros, Lesben, Schwule, …]
    [Christen, Juden, Muslime, Atheisten, …]
    [Kulturexperten, Bildungsbürger, kulturell Desinteressierte, …]
    [Migranten aus Griechenland, Russland, Türkei, …]

    Wenn in der Politik über den Bau eines Gotteshauses, die getrennten Badezeiten im Schwimmbad, den Unterricht in Ethik und Religion, die Sprachkurse für Migranten oder dutzende andere Entscheidungen entschieden wird, muss man das auf der Grundlage von Zahlen tun. Ansonsten können die Interessengruppen überhaupt nicht annähernd gerecht berücksichtigt werden können (es ist ja so schon schwer genug).

    Fazit: Ohne Einwohnerstatistik ist Lokalpolitik unmöglich.

    Man kann die Lokalpolitik selbstverständlich ganz aufgeben und jedem Einwohner seinen Anteil »auszahlen«, aber das wäre dann auch wieder keinem recht ;-)

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