Heute morgen bin ich auf die „kluge“ Idee gekommen, mein Weib zum Bahnhof zu schaffen, da sie auf Dienstreise gehen wollte. Mit dem Auto selbstverständlich, kurz vor acht. So ein Schwachsinn! Allein der Stau auf vom Blauen Wunder reichte bis hinter das Künstlerhaus zurück. Dabei ging es noch relativ fix voran. Relativ!
Zum Glück haben wir es geschafft und sie hat den Zug erreicht aber es war ganz schön knapp. Ehrlich gesagt, kann ich nicht verstehen, wie man sich diesen Stress freiwillig jeden Tag antun kann. Ganz zu schweigen von der abschließenden Parkplatzsuche. Entweder hätte ich schon längst einen Herzinfarkt oder ich würde Amok laufen. Interessant wäre auch, wie viel Prozent derer, die sich da in die Blechkolonne einreihen, tatsächlich ohne größere Probleme auf ihre Kiste verzichten bzw. wie viele dieser MIVenden Fortbewegungsmittel bei optimaler Auslastung gespart werden könnten. Vielleicht mache ich mir in den nächsten Tagen mal die Arbeit und suche nach Zahlen dazu.
Klar, man kann das Problem auch lösen, indem man die Stadt planiert und Highways baut, 3-, 6-, 12-spurig. Oder die Elbe mit einem schnellbindenden Zement auffüllt und so eine richtige Rennstrecke durch die Stadt schafft. Aber es muss ja auch andere, sinnvolle Lösungen geben wie preisgünstiges Park + Ride etc. Lange wird, lange kann dieser Wahnsinn nicht mehr währen…
Mehr oder weniger „nötig“ war die Maßnahme geworden, weil mittlerweile kaum noch ein Zug am Neustädter Bahnhof hält, es mit der Verbindung von Pappritz aus zum Hauptbahnhof aber eher schlecht bestellt ist. Da steht man im Bus nämlich auch am Blauen Wunder und wenn dann der Anschluss nicht klappt, wird’s Brühe. Und zwei Stunden vorher losfahren will ja auch keiner. Aber letztendlich ist es eine schwache Entschuldigung. Es wäre klüger gewesen, auf den ÖPNV zu vertrauen. Mea culpa!
Gestern gab es im Stadtrat also eine Entscheidung über den Ausbau der Königsbrücker, endgültig wird aber auch der nicht sein. Opposition und Verkehrsbetriebe haben bereits Klagen angekündigt.
Würde man den Zeitungsberichten glauben, so wäre nur eine Variante noch im Rennen, doch die Initiative Königsbrücker muss leben (dort finden sich alle notwendigen Informationen in übersichtlicher Form) weißt darauf hin, dass auch ein Ausbau im Bestand noch möglich ist. Mit anderen Worten – es ist noch nicht alles verloren.
Den Vogel hat wieder mal der unsägliche Herr Zastrow von der fast-nicht.mehr-vorhanden-Partei FDP abgeschossen, der in der DNN seinen geistigen Unrat absondern durfte: „Die Vierspur-Variante sei an den Bedürfnissen aller Verkehrsteilnehmer orientiert, richte sich gegen die Bevormundung der Bürger durch die DVB, so Holger Zastrow (FDP)“. Dass die von den bürgerlichen Parteien favorisierte Ausbau-Variante 5 den Bedürfnissen aller Verkehrsteilnehmer gerecht wird, dem widersprach schon DVB-Chef Reiner Zieschank, als er darauf hinwies, dass zwei nebeneinander stehende LKWs eine Gefahr für die Fahrgäste darstellen. Aber selbst, wenn dem nicht so wäre, sollte Herrn Zastrow aufgefallen sein, dass er ausschließlich die Bedürfnisse der VERKEHRSteilnehmer im Blick hat. Dumm nur, dass die Königsbrücker kein Autobahnabschnitt ist, sondern eine Straße durch ein Wohngebiet. Langsam sollte es doch auch zu solchen Betonköpfen durchgedrungen sein, dass der Straßenverkehr nur EIN Aspekt einer Stadtplanung sein kann, denn eine Stadt ist nicht nur Verkehrs- sondern auch Lebensraum. Ganz abgesehen davon, gehört dem motorisierten Individualverkehr definitiv nicht die Zukunft und die Folgen des Autowahns, wie die Feinstaub- und Lärmbelastung, sind seit langem kaum noch zu übersehen …
Am Freitag auf dem Heimweg hatte ich ein Erlebnis der besonderen Art. Wie schon gelegentlich hier erwähnt, benutze ich im Normalfall (wenn das Wetter nicht allzu schlecht ist) das Fahrrad und lege den Großteil der Strecke durch die Heide zurück. Bei dieser Fahrt passiere ich auch eine Schonung. Dort scheint neben dem Waldbau noch eine Art Schul-, Feier-, Bildungsprojekt oder weiß der Geier was auch immer angelegt zu sein, denn ständig treiben sich da Leute rum, die nicht aussehen wie Waldarbeiter, manchmal ein Bierfläschlein in der Hand haben und irgendwie da zu tun haben. Vielleicht sollte ich mir doch mal die Zeit nehmen und nachschauen, was das denn nun eigentlich ist – vielleicht gibt es ja ein Schild an der Einfahrt. Der Waldkindergarten ist es definitiv nicht – der ist ganz woanders.
Auf jeden Fall kam ich auch Freitag am späten Nachmittag an dieser Stelle entlang oder zumindest habe ich es versucht. Mitten auf dem Weg stand eine riesige Kindergruppe inklusive zahlloser Erziehungsberechtigter im „Feldenkrais“ und feierte da – was auch immer. Um Eins vorauszuschicken: Den Kindern will ich keinen Vorwurf machen, die haben sich wohl gefreut, mal nicht in der Bude zu hocken. Warum aber von all den „Erwachsenen“ keiner auf die Idee gekommen ist, für mögliche Passanten eine Gasse am Rande der Veranstaltung zu lassen, ist mir ein Rätsel.
Als ich mich nun mit meinem Fahrrad näherte und absolut keine Reaktion erfolgte, niemand Platz machte oder sagte „Schauen Sie mal, dort ist was frei“, klingelte ich halt. Nachdem auch dieses Signal anfangs keinerlei Beachtung erfuhr, und ich nun quasi vor dem äußersten Kreis der Zusammenrottung stand, kam dann endlich ein wohlwollende Stimme aus dem Rund: „Da will ein Unbeteiligten durch. Lasst den doch mal durch.“ Ich bin dann auch mitten durch das Gedränge, weil rechts und links überhaupt kein Platz war. Mit Sicherheit wurde ich als unzulässige Störung empfunden.
„Unbeteiligt“ am Kasperletheater, doch nicht unberührt von der Störung meines Heimweges frage ich mich, was das eigentlich für Leute sind. Bei einer Demonstration habe ich Verständnis dafür, dass z.B. eine Straße komplett blockiert wird, denn das ist ja (auch) Sinn und Zweck einer solchen Veranstaltung, dass die Leute nicht einfach vorbeilaufen, sondern aus ihrem Alltagstrott gerissen werden. Bei einer Spaßveranstaltung, auch wenn sie für Kinder ist, muss das nicht sein. Ein kleiner Streifen am Rande, den ich mein Fahrrad notfalls auch entlanggeschoben hätte, wäre völlig ausreichend gewesen. Stattdessen manifestierte sich hier mal wieder genau das, wofür ich „Muttis“ als Schimpfwort benutze: Die komplette Fixierung auf sich und die eigene Brut, ohne Rücksicht auf die Umwelt. So sind „Muttis“ häufig dabei zu beobachten, wie sie auch den breitesten Weg mit einer adäquaten Anzahl an Kinderwagen verstopfen, und Jeden, der sich darüber beschwert, angiften, als hätte man den wehrlosen Nestling attackiert. Merke: Auch Eltern sind keine besseren Menschen!
Achtung: Extremistische Ansichten und radikale Forderungen!
Vor eingierZeit habe ich mich, angesichts der zunehmenden Deformation meines nicht mehr ganz so jugendlichen Körpers entschlossen, den täglichen Weg zur Arbeit per Fahrrad zurückzulegen. Eine weise Entscheidung, hat sich doch seitdem meine Konstitution wesentlich verbessert.
Auf der andere Seite ist jedoch auch meine Radikalisierung vorangeschritten, weshalb ich jetzt Haftminen für Radfahrer fordere! Wozu werdet Ihr Euch vielleicht fragen, liebe Leser dieses virtuellen Manifests? Dies will ich Euch gern kund tun:
Ich gehöre zu den Menschen, die vor tonneschweren Stahlgeschossen, die sich mit wesentlich höherer Geschwindigkeit als ich bewegen, zwar keine Angst, so doch Respekt haben. Wenn eines dieser Auto genannten Geschosse im unter-30-Zentimeter-Abstand an mir vorbei pfeift, dann geht mir die Muffe. Schließlich habe ich vor, noch ein Weilchen möglichst unversehrt auf diesem Planeten zu verweilen. Genau für solche Fälle wünschte ich mir dann, eine Haftmine bei mir zu haben, die ich quasi in der Bewegung an das Fahrzeug pappen könnte. Die anschließende Explosion sollte als erzieherische Maßnahme einen durchschlagenden Erfolg haben. Wären alle Radfahrer mit diesen Argumentationsbeschleunigern ausgerüstet, würde sich sicher sehr bald die Erkenntnis durchsetzen, dass der laut StVO vorgeschriebene seitliche Sicherheitsabstand beim Überholen mit 1,50 bis zwei Meter mit Bedacht bemessen ist.
Um die Radikalität noch ein wenig auf die Spitze zu treiben, fordere ich, dass Fahrer mit Pirnaer Kennzeichen an den Dresdner Stadtgrenzen abgewiesen werden, denn bei all den Bekloppten, die in der 30er Zone und bei entgegenkommenden Verkehr kurz vor der Kreuzung noch überholen müssen, ist immer ein großer Teil an PIR-Fahrern dabei. So zumindest meine Erfahrung. Am anderen Ende der Stadt gilt das wahrscheinlich für MEI…
Wer sich mit dem Erstellen für Petitionen auskennt, der melde sich. Ich werde meine Forderungen beim Stadtrat einreichen und ein Bürgerbegehren organisieren. Bei aller Radikalität: Demokratisch muss es schon zugehen!
Danke an Henteaser, der mich auf dieses schöne Plakat aufmerksam gemacht hat!