Dresdner|Rand

Dresden vom Rand her betrachtet.

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Raus aus Dresden

Das Wochenende habe ich außerhalb Dresdens verbracht. Am Samstag stand die Hochzeit eines Freundes an – dazu waren wir in Großbothen. Die Gemeinde zwischen Grimma und Colditz ist vor allem als Wohnort des deutschen Chemikers und Nobelpreisträgers Wilhelm Ostwald bekannt. Im Ort gibt es einen fantastischen alten Tanzsaal, den Ort der Feierlichkeiten, der jetzt langsam aber sicher wieder aufgebaut wird. Alle Diskothekenbetreiber sollten sich das mal anschauen, dann würden die meisten wahrscheinlich weinend den Raum verlassen und ein anderes Gewerbe ausführen. Das Haus stammt aus dem Jahre 1837 und ist einfach unbeschreiblich schön.

Tanzsaal Großbothen

So was gibt es heute einfach nicht mehr. Bei der Gelegenheit musste ich daran denken, dass es auch mal in Schauburg-Nähe einen solchen Tanzsaal gab. Der wurde Anfang der 1990er abgerissen, jetzt steht da ein sinnloser Klotz, der nachgerade nach Bombardierung schreit. Heute würden sich alle Neustadtveranstalter wahrscheinlich die Finger danach lecken, damals hatte keiner die Energie, den Saal zu erhalten. Schade – wieder ein Stück kulturelles Erbe dahin. Aber es war ja kein Canaletto-Bild, für das man derzeit zum Spenden aufgerufen ist oder kein Neptunbrunnen. Naja, sollen sich die Bürger mal anstrengen, mich interessiert das Barock-Zeug nicht sonderlich.

Kirche Kiebitz

Den Heimweg haben wir dann „über die Dörfer“ angetreten – Mügeln, Ostrau, Lommatzsch und dann die B6 über Meißen. Die meiste Zeit bin ich maximal 70 gefahren – das war ein echter Genuss. Ich hasse diese Autobahn-Raserei. Statt dessen fahre ich gemütlich – der Weg ist das Ziel – und schaue mir die Landschaft an. Die kleinen Dörfer, die Felder, baumbestandene Alleen, das ist ein echter kultureller Gewinn. Wir haben einen Abstecher nach Kiebitz gemacht, auf dem Friedhof liegt meine Großmutter begraben und uns auch das Schloss in Schieritz angeschaut. Wieder so ein Stück Kulturerbe, das freundlos vor sich dahingammelt. Ich könnte heulen, dass ich kein Geld hab…

Schloss Schieritz

Posted 2 years ago at 20:35.

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Haltestellengespräche

Ein Vorteil der Benutzung öffentlicher Verkehrsmittel liegt darin, dass man ungefragt Volkes Stimme hören darf. Zum Glück ging’s heute morgen nicht um das gestrige Bayern-Spiel, das nebenbei gesagt ganz OK war, sondern um das Thema Nummer 1 – das Wetter. Natürlich ist es zu kalt aber der April ist nun mal wechselhaft – wer erinnert sich nicht an Omis Spruch „April, April, der weiß nicht, was er will“. Gestern Abend schneite es gar für zwei Minuten am Ullersdorfer Platz, bevor ich im schönsten Sonnenschein den restlichen Weg nach Hause bergauf-bergab radelte. Natürlich werden die Menschen unruhig, wenn es im April noch so kalt ist aber gleich wieder am Klimawandel zu zweifeln, das muss dann doch nicht sein (wie geschehen). „Wetter“ ist nun mal eine statistische Größe und da gibt es immer mal wieder Abweichungen nach oben und unten. Ich kann mich noch an einen Februar-Tag während meiner Studentenzeit erinnern, als ich in den Semesterferien auf der Baustelle arbeitete, im T-Shirt! Im Februar! Einer der Diskutanten brachte dann noch die These ins Spiel, dass die nächste Eiszeit bevorstünde, wenn der Golfstrom versiege. Davor bewahre uns der liebe Gott oder wer auch immer da die Hand drauf hat. Denn dann wird es richtig heftig kalt. Und da es andernorts wärmer wird, steigt sicher auch der Meeresspiegel. Ich dachte mir: Nur gut, dass ich im Hochland lebe! Bei der nächsten Flut sitze ich auf der Agneshöhe und schieße die Bilder für die Twittergemeinde in der ganzen Welt oder so…
Das zweite Aufregerthema des Morgens war dann die fünfminütige Verspätung des Busses. Leider kommt der bei uns meist etwas nach der Zeit, was aber auch leicht zu erklären ist, denn der Bus fährt fast eine ganze Stunde und dabei über die Nossener Brücke und das Blaue Wunder. Da stockt es gerade in den Morgenstunden im Allgemeinen eigentlich immer. Insofern sind die fünf Minuten nun nicht wirklich schlimm. Aber eigentlich erregten sich die Herrschaften nicht über die Verspätung, sondern darum, dass der Busfahrer, hätte er an der Endhaltestelle sofort kehrt gemacht, den Zeitplan wohl noch eingehalten hätte. „Aber nein, der muss ja erst Mal pinkeln“ etc. Ich war ja kurz davor, die Stichworte „Fahrtenschreiber“ und „gesetzliche Pausen“ in die Runde zu werfen aber ich ließ es dann doch. Statt dessen erinnerte ich mich lächelnd an meinen Urlaub in Marokko. Dort läuft der öffentliche Nah- und Fernverkehr noch etwas anders als bei uns: Wenn man Pech hat, fährt der Bus einfach an der Haltestelle vorbei, wenn er nämlich schon überfüllt ist und man muss auf den nächsten warten. Müßig zu erwähnen, dass unsere Maßstäbe der Pünktlichkeit in Nordafrika versagen… Na dann: Euch allen eine gute Fahrt und weiterhin einen schönen Frühling! Wer’s lieber zuverlässig haben will, der kann ja seinen Urlaub am See in heimischen Gefilden verbringen.

PS: Ich bin kein Lauscher aber leider nicht in der Lage “abzuschalten”. Wenn ich zwei babelnde Omis hinter mir sitzen hab, bleibt mir nur, auf das Ende der beiden, äh der Fahrt zu hoffen
;-)

Posted 2 years ago at 18:49.

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Einfach zum Kübeln

Man freut sich ja als alter Grünkernfresser (gestern gab’s bei uns zum Abendbrot Dinkelbrätlinge!) über jeden Baum und Strauch in unserer schönen betonierten (Innen)Stadt. Insofern las ich heut interessiert auch die Pressemitteilung der Stadt mit dem Titel „Ein Stück Grün mehr in der City!“ Die Ernüchterung ließ dann aber nicht lange auf sich warten: „Aus Anlass des „Internationalen Tages der Erde“ der Accor Gruppe am 22. April bepflanzen am Mittwoch, dem 21. April 2010, 10:00 Uhr, der General Manager des Pullman Dresden Newa, Helmut Apitzsch und der Leiter des Amtes für Stadtgrün und Abfallwirtschaft Detlef Thiel auf der Grünfläche entlang der Straßenbahntrasse fünf neu aufgestellte Betonkübel mit Blütengehölzen und ebenso die zum Hotel gehörenden Pflanzkübel am Hoteleingang und auf der Restaurantterrasse auf der Prager Straße mit immergrünen Pflanzen.“

Na super. Fünf neue Betonkübel und immergrüne (pflegeleichte) Pflanzen. Sicher, bei solchen Aktionen geht es in erster Linie um PR: „Tue Gutes und rede darüber“, doch das ist schon ein ziemlich starkes Stück, oder? Im weiteren Verlauf der Mitteilung freut sich der Pullmann-General-Manager Apitzsch “…Denn ihr enormes Engagement für die Umwelt haben die Mitarbeiter der Hotels Ibis, Mercure und Pullman in den letzten Jahren bereits mehrfach unter Beweis gestellt und insgesamt 36 Bäume an der Budapester Straße und am Georgplatz gepflanzt…”
36 Bäume in fünf Jahren, das macht einen Schnitt von 7,2 im Jahr. Auf wie viele Mitarbeiter eigentlich? Nicht, dass ich das grundsätzlich schlecht finde – es ist schon lobenswert, dass das Unternehmen überhaupt etwas in diese Richtung unternimmt – aber ein „enormes Umweltengagement“ hatte ich mir bisher eigentlich anders vorgestellt. Wie wäre es, wenn sich die Hotel-Mitarbeiter bei den nächsten Castor-Protesten einreihen? Oder sich mit ihren Schlauchbooten zwischen Wale und Fangschiffe „stellen“. Das wäre wirklich enorm.
Den Rest der PM zu zitieren, erspare ich mir – die Stadt hat offensichtlich direkt bei den Hotelbetreibern abgeschrieben. Da belobhudelt man sich selbst, dass die Schwarte kracht. Wie gesagt, wenig ist immer noch besser als nichts. Aber wenn die eigentliche „Großtat“ in der Medienwirksamkeit besteht, sollte man sich auf Kritik gefasst machen…

Posted 2 years ago at 17:55.

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Schillerstraße gesperrt

Auf dem Heimweg habe ich heute gesehen, dass die Schillerstraße gesperrt ist. Im städtischen Newsletter fand ich dann die Erklärung: Die Straße wird asphaltiert, was wirklich endlich mal Zeit wurde. Bisher habe ich es mir nicht getraut, da mit dem Rad runter zu fahren, weil es viel zu viele Gefahrenstellen da gab. Etwas blöde finde ich den Zeitplan, denn laut Information sollen die Arbeiten erst am 26. Juni abgeschlossen sein. Das ist der Samstag vom Elbhangfest. Na mal sehen, ob das nicht Probleme gibt…

Posted 2 years, 1 month ago at 18:50.

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