Dresdner|Rand

Dresden vom Rand her betrachtet.

You are currently browsing the archives for December, 2009.

Orosz naksch gemacht

Gehört hatte ich ja schon davon, den Stein des Anstoßes allerdings noch nicht gesehen: Das Bild der Dresdner Künstlerin Erika Lust, welches Frau Orosz nackt oder zumindest sehr leicht bekleidet zeigt. Selbiges war auf der vom Dresdner Künstlerbund betriebenen Internetseite zum Tag des offenen Ateliers zusehen. Dort fiel es der BLÖD-Zeitung auf, die daraufhin ihre Leserschaft mit den Worten „…und das bei einem Verein, der sogar mit öffentlichen Geldern gefördert wird. Oberbürgermeisterin Orosz ganz nackt im Internet!“ aufwiegelte. (Das stimmt nicht mal ganz, immerhin trägt sie einen Strumpfgürtel [sieht besser aus, oder?] und Strümpfe sowie die OB-Kette.) Die Empörung war groß, die Wächter des guten Geschmacks bei CDU und Bürgerfraktion immer vorneweg, und ratzefatze verschwand das Bild von der Seite, was wiederum zu Diskussionen über Selbstzensur und vorauseilendem Gehorsam führte.
Nun klagt das OB – als erstes Stadtoberhaupt in der Geschichte der Bundesrepublik – gegen die Künstlerin mit dem Ziel die Ausstellung des Bildes sowie jede Darstellung in Reproduktionen und Weiterverbreitung zu unterlassen. Der Prozess beginnt morgen 9 Uhr vor dem Landgericht Dresden, Lothringer Str. 1, Zimmer 89.
Sicher, die Darstellung von Frau Orosz ist alles Andere als vorteilhaft und wer möchte sich schon selbst in der Öffentlichkeit nackt sehen – es sei denn im Nudistencamp oder am FKK-Strand, wenn man denn auch wirklich da sein möchte. Auf der anderen Seite steht die Dame in ihrer Funktion im Blickpunkt der Öffentlichkeit, muss demzufolge auch mit Satire und künstlerischem Interesse leben. Die Androhung, einem etabliertem Vertreter aller Dresdner Künstler – dem Künstlerbund – wegen eines unliebsamen, als beleidigend empfundenen Bildes auf einer Website die Fördermittel zu streichen, ist weit entfernt davon, als angemessene Reaktion durchzugehen. Vielmehr erinnert dies an die Regierungspraktiken eines Monarchen, der einen ehemaligen Günstling verstößt. Nur dass Frau Orosz nicht Macht ihrer adligen Geburt und der Gnade Gottes Oberbürgerin von Dresden ist, sondern aufgrund einer demokratischen Wahl. Doch ist das nicht das erste Mal, dass die OB beweist, dass ihr genau diese Tatsache entgangen ist. Es fällt mir auch nicht zum ersten Mal auf, dass Kritiker – schließlich geht es bei dem Bild um Kritik am Verlust des Welterbetitels – in Dresden als Nestbeschmutzer behandelt und diskreditiert werden. Die Freiheit der Kunst wiegt in der Kunst- und Kulturstadt Dresden offensichtlich nicht allzu schwer im Vergleich zu einem Kratzer am anvisierten Stadtimage.

Und wie begründet eigentlich die Künstlerin ihr Werk: „[Erika Lust] habe das Bild im Zusammenhang mit der Reise der OB zum Welterbekomitee nach Sevilla gemalt und habe in der von ihr gewählten künstlerischen Form (der Nacktheit) zum Ausdruck bringen wollen, dass die OB dorthin gereist sei, obwohl sie keine Argumente für den Erhalt des Titels vorweisen konnte, also mit leeren Händen vor das Komitee getreten sei. In der Kunst wird eine solche Ausgangsituation eben sehr häufig als Nacktheit symbolisiert.“ (PM von Zensurpiraten.de) Klingt zumindest plausibel aus meiner Sicht.

Sehr interessant ist auch die Stellungnahme des Künstlerbundes zum Thema (pdf).

Nun gut, warten wir ab, wie’s weitergeht und ob sich Dresden ein weiteres Mal blamiert. Der Eklat hat auf jeden Fall dafür gesorgt, dass wir wieder einmal mit einem unschönen Thema in den Schlagzeilen sind. Da hilft auch unser toller toller Striezelmarkt nicht.

PS: Richtig krass fand ich, als ich mit einem Kollegen darüber diskutiert habe, ob ich das Bild verlinken soll und er meinte, dass ich dann auch im Falle eines für Erika Lust negativ ausgehenden Rechtsstreits mit Konsequenzen zu rechnen hätte. Ja wo leben wir denn eigentlich? Da ist sie wieder, die Schere im Kopf. Jaja, in der DDR war halt nicht alles schlecht, manches hat auch in unserer Demokratie Bestand, so wie der Grüne Pfeil…
PPS: Ich habe das Bild nicht verlinkt, weil ich es a) hässlich finde – ich würde es mir auch nicht Zuhause an die Wand hängen, noch nicht mal ins Klo – und b) tatsächlich keine Lust habe wegen Urheberrechtsverletzungen verklagt zu werden. Wenn die Dame wenigstens Unterwäsche anhätte…

Posted 2 years, 5 months ago at 15:17.

13 comments

Genießen in vollen Zügen

An dieser Stelle möchte ich einmal das die letzten Tage Revue passieren lassen bzw. nicht die ganzen Tage, sondern meine Fortbewegung an diesen, welche hauptsächlich in öffentlichen Verkehrsmitteln stattfand.
Samstagnacht nahm ich – schon reichlich betütert nach einer Party und ohne meine Monatskarte, die ich meiner zeitiger heimkehrenden Frau auslieh – den Bus nach Pillnitz, um an der Moosleite den Aufstieg zu wagen. Wie gesagt, ich war ohne Fahrkarte und die Uhr zeigte auf halb zwei – eigentlich hätte ich nur eine x-beliebige Fahrkarte vorzeigen müssen, der Fahrer hätte genickt und ich wäre unentgeltlich nach Hause transportiert worden. Im schlimmsten Fall hätte ich noch sagen können, dass ich meine Monatskarte vergessen hab und ich wäre mit zehn Euro Strafe davongekommen. Stattdessen ließ ich es mir nicht nehmen, zwei Euronen auf den Tresen zu kloppen und lauft und vernehmlich „eine Fahrkarte bitte“ zu ordern. Irgendwie war das dumme Gesicht des Busfahrers, dem so was wahrscheinlich eher selten passiert, ein innerer Durchmarsch. Da steht dort so’n leicht beschickerter Punk und bezahlt freiwillig, nachts halb zwei! Da ist bestimmt das Weltbild zusammengestürzt. Das war die zwei Euro (1,90€, um genau zu sein) auf jeden Fall wert!

parken im graben
Fällt er in den Graben, fressen ihn die Raben…

Offensichtlich sind nicht alle Menschen so vernünftig wie ich. Als wir Samstag Mittag zum Aufräumen fuhren, parkte ein schwarzer Jeep die Schnauze nach vorn im Straßengraben neben der Diska-Einfahrt. Natürlich haben wir reichlich verdattert geschaut, als das Ungetüm da so stand; die heutige SZ bringt aber Aufklärung: „Weil ein Betrunkener die Sperrung zu spät bemerkte, zerfuhr er den neu angelegten Seitenstreifen…. Der 48-Jährige wollte gegen 8.45 Uhr von Pappritz kommend mit seinem Opel nach links zum Diska-Supermarkt abbiegen, bemerkte die Sperrung aber zu spät und landete in der Böschung.“ Tja, dann lieber Busfahren, oder? Zumal es ja jetzt vor dem Markt direkt eine Haltestelle gibt, am Zachengrundring oder so ähnlich.
Lustig war dann sonntags die Fahrt über den Körnerplatz, denn dort werden Schwebe- und Standseilbahn jetzt in Englisch angesagt. Die Schwebebahn heißt damit jetzt “suspension railway”, die Standseilbahn irgendwas mit “funicular”. Very funny, indeed.
Als ich Sonntag Nacht von einer Veranstaltung heimfuhr, dachte ich gar nicht mehr dran und drückte den „Haltewunsch“-Knopf zu früh, der Fahrer schien die Haltestelle aber auch vergessen zu haben und rauschte durch. Zwei gleichzeitig gemachte Fehler führen zum richtigen Ergebnis. Das ist höhere Mathematik (Mittlerweile weiß ich aber, dass die Haltestelle aufgrund der Bauarbeiten an die Ampel vorverlegt ist und meine schöne Gleichung ist im Eimer). Der Buslenker war aber auch so ein wenig seltsam. Der Fahrstil der Herrschaften ist insbesondere Nachts fast immer abenteuerlich – gut festhalten! – als ich dann ausstieg und dem Kollegen ins Gesicht schaute, bekam ich fast einen Schreck. Er brabbelte mit verzerrter Visage irgendwas vor sich hin. Na ja, vielleicht stören ihn ja Fahrgäste im Allgemeinen und es war nicht persönlich gemeint…
Montagmorgen ging’s dann wieder auf Arbeit und das war erneut ein interessantes Ereignis. Nicht der erste Teil der Fahrt zum Ullersdorfer Platz. Die Pappritzer Straße ist noch immer halbseitig gesperrt – ich frage mich, warum eigentlich, waren die Bauarbeiten nicht schon mal abgeschlossen? – und die Ampelphasen sind elendiglich lang. Als wir dann aber in Bühlau eintrafen, stand dort endlich nicht mehr der Ersatzbus, sondern tara! Die Straßenbahn Nummer 11! Nach all den Wochen anstrengender Busfahrten war es ein echter Genuss auf Schienen gen Neustadt zu gleiten. Eine junge Frau, die mit mir am Waldschlösschen ausstieg, sagte zu ihrer Kollegin: „Das war ein ganz anderes Fahren!“. Ich möchte mich meiner Vorrednerin anschließen… (Nicht zu vergessen, dass es jetzt wesentlich schneller geht!)

Posted 2 years, 5 months ago at 19:47.

4 comments